VP-Team mit Quereinsteigern

15. Dezember 2004, 19:45
25 Postings

Der Wiener ÖVP-Chef Johannes Hahn kündigt im STANDARD-Gespräch mehrere Quereinsteiger in seinem Team an - mit Kopf des Tages

Neben "Politprofis" soll es auch Quereinsteiger im Team geben, das sich VP-Chef Johannes Hahn für die Gemeinderatswahl zusammensucht. Als erstes wird ein Wirtschaftsprogramm erarbeitet.

***

Wien – "Wir brauchen jetzt nicht nur ein Team für die nächste Gemeinderatswahl, sondern eines, das gleichzeitig für den neuen Politikstil der Wiener ÖVP steht", erläuterte der frisch gekürte Wiener ÖVP-Spitzenkandidat Johannes Hahn am Dienstag im STANDARD-Gespräch.

Ob es auch Quereinsteiger geben werde? "Sowohl als auch. Es kommt auf die gute Mischung an. Politprofis an der Spitze und dazu durchaus auch eine Anreicherung."

Der "neue Politstil" sei von den Grundsätzen getragen: "Individualität und Freiheit. Wir wollen den Menschen nicht sagen, was für sie gut oder schlecht ist. Wir wollen ihnen nicht vorschreiben, wie sie ihr Leben zu leben haben."

Was andererseits nicht heißen soll, dass die ÖVP in ihrem liberalen Freiheitsdrang keine Programmarbeit mehr leistet: "Als erstes werden wir die Arbeit an unserem großen Programm zur Wirtschafts- und Standortpolitik fortsetzen", kündigt Hahn an. Dieses solle bis Jahresende in der Rohfassung fertig sein, dann diskutiert und im Frühjahr beschlossen werden.

Angesichts der Tourismusbilanzen könne man nur sagen "Hut ab! Aber darin kann man sich selbstverständlich nicht erschöpfen. Man muss die gesamte Bandbreite des Wirtschaftsstandortes berücksichtigen." Gerade auf dem Produktionssektor sei Wien ins Hintertreffen geraten. "Da muss es gelingen, ein paar große Unternehmen mit Lokomotivfunktion zu gewinnen."

Auch dürfe man sich nicht nur auf den Biotech-Standort konzentrieren, "sondern die ganze Bandbreite an Wissenschaft und Forschung der Universitäten nutzen, um Wien konsequent zum Forschungszentrum zu entwickeln".

"Nur eine Motzerei"

Mit seinem Bekenntnis zu Individualität und Freiheit positionierte sich Hahn umgehend als liberaler Hoffnungsträger seiner Partei, der neue Wählerströme erschließen soll. "Daran führt kein Weg vorbei und das wissen sie auch in der Partei", analysiert Alt-Parteiobmann Bernhard Görg die Vorkommnisse und die halbherzige Personaldiskussion der letzten Tage. "Letztlich gab es ja auch keinen ernsthaften Widerstand, sondern nur eine Motzerei."

Was durch das Wahlergebnis bestätigt wurde: Hahn wurde Montagabend mit über 91 Prozent im Parteivorstand als Spitzenkandidat für die nächsten Gemeinderatswahlen bestätigt. Diese müssen spätestens im Frühjahr 2006 abgehalten werden.

Weiters wurde von der Wiener Parteispitze beschlossen, dass Hahn zum Wahlkampfauftakt auch alleiniger Wiener Parteichef werden soll. Staatssekretär und Noch-Obmann Alfred Finz wird sich dann auch formell aus der Kommunalpolitik zurückziehen. (Roman David-Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2004)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    "Gio" Hahn: Von der VP Wien zum Spitzenkandidaten gekürt.

Share if you care.