EVN erhöht Dividende kräftig

14. Dezember 2004, 17:38
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Ergebnis soll weiter steigen - Closing für Bulgarien-Einstieg in den kommenden Tagen erwartet - Bei der ÖSL ist Politik am Zug

Wien - In seiner letzten Bilanzpressekonferenz konnte der scheidende Generaldirektor der börsenotierten niederösterreichischen EVN, Rudolf Gruber, am Dienstag eine kräftige Ergebnissteigerung sowie eine um 26,7 Prozent auf 95 (75) Cent erhöhte Dividende bekannt geben. Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich im per Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2003/04 um 11,8 Prozent auf 114,6 Mio. Euro, die Umsatzerlöse wuchsen um 11,6 auf 1,207 Mrd. Euro. Gruber kündigte für die kommenden Jahre weitere Ergebnisverbesserungen an.

Der Anteil des Nicht-Energie-Bereich in den Geschäftsfeldern Müllverbrennung und Wasserver- und Abwasserentsorgung am Umsatz belief sich im Geschäftsjahr 2003/04 auf rund 20 Prozent. Dieser Anteil werde auch im kommenden Jahr erreicht werden, trotz der Integration der heuer erworbenen bulgarischen Stromverteilunternehmen. Das Closing für den Kauf von je 67 Prozent an der EDC Plovidv und EDC Stara Zagora werde in wenigen Tagen erwartet. Eine Möglichkeit sei auch die Stromerzeugung in Bulgarien, es gebe Kohlevorkommen und Potenzial in der Wasserkraft. In Österreich seien die Rahmenbedingungen für den Kraftwerksbau schwierig.

Weitere Expansion

Für die EVN werde Expansion im Infrastrukturgeschäft in Mittel- und Osteuropa weiterhin sehr wichtig sein. So gebe es etwa im Bereich des im Vorjahr übernommenen Wasserspezialisten WTE vier Projekte in Polen. In Moskau errichtet die EVN eine Müllverbrennungsanlage und eine Trinkwasseraufbereitungsanlage mit einem Gesamtvolumen von mehr als 350 Mio. Euro.

ÖSL: "Politik ist gefordert"

Zur auf Eis gelegten Österreichischen Stromlösung (ÖSL), der Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (EVN, Wien Energie, Energie AG Oberösterreich, Linz AG und Bewag) im Großkundengeschäft und Stromhandel, sagte Gruber, es sei sehr bedauerlich, dass die Frage nicht zum Abschluss gebracht wurde. Er sieht nun die Politik als Eigentümervertreter der mehrheitlich in öffentlichen Besitz stehenden Stromunternehmen gefordert. Die Austro-Stromehe sei vollinhaltlich parafiert, man könnte aber den Verbund-Vorstand nicht zur Unterschrift zwingen. Die Forderung nach Strompreissenkungen bezeichnete der scheidende EVN-General als "reines Wunschdenken". Es würden allgemein steigende Strompreise erwartet.

Gruber wird als Generaldirektor mit der Hauptversammlung (HV) am 19. Jänner ausscheiden und in den Aufsichtsrat wechseln. Außerdem gab die EVN heute bekannt, dass der bisherige Aufsichtsrats-Vorsitzende Dr. Theodor Zeh (70) mit der kommenden HV abtreten wird.

Das frei werdende Vorstandsmandat wird am 20. Jänner öffentlich ausgeschrieben. Zu seinem Nachfolger sagte Gruber, es gebe hervorragende Mitarbeiter im Unternehmen. Zu Spekulationen, dass Ex-Innenminister Ernst Strasser an die EVN-Spitze wechseln könnte, verwies Gruber auf dessen Dementi. Niederösterreichs Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka hat heute erklärt, "keinesfalls" ein Kandidat für die Nachfolge Grubers zu sein. (APA)

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