Spaßgesellschaft drängt Spendenfreude zurück

16. Dezember 2004, 22:10
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Immer mehr Österreicher haben fürs Spenden nichts mehr übrig - In der Vorweihnachtszeit ist die Bereitschaft aber noch am höchsten

Immer mehr Österreicher haben fürs Spenden nichts mehr übrig. In der Vorweihnachtszeit ist die Bereitschaft für milde Gaben laut einer Umfrage aber noch am höchsten.

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Die Spendenfreudigkeit der Österreicher lässt merklich nach. Das zeigt eine Umfrage der Karmasin Motivforschung im Auftrag von Care Österreich, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde. 28 Prozent der 1000 repräsentativ für Österreich ausgewählten Personen gaben an, überhaupt kein Geld mehr herzugeben. Im Vorjahr war der Anteil der Niespender noch bei 15 Prozent gelegen.

In der Vorweihnachtszeit ist die Bereitschaft für milde Gaben noch am höchsten. 54 Prozent nehmen die Festtage zum Anlass, Gutes zu tun. Weitere wichtige Anlässe sind die Unterstützung der Katastrophenhilfe (50 Prozent) und Spendenaktionen im Inland (27 Prozent). Bei der Frage, welche Themen unterstützt werden, stehen Kinder mit fast zwei Drittel an erster Stelle, gefolgt von Katastrophenhilfe, Krankheiten, Tierschutz und Umweltschutz.

Modell der Erlebnismilieus angewandt

Bei der Studie ist erstmals ein so genanntes Modell der Erlebnismilieus angewandt worden. Das heißt, die heimische Gesellschaft wurde nach Geschmack und Definition des schönen Lebens in vier Gruppen eingeteilt: in das Harmoniemilieu, das Selbstverwirklichungsmilieu, das Niveaumilieu und das Unterhaltungsmilieu.

Dabei zeigte sich, dass gerade die Spaß- und Fungesellschaft scheinbar lieber an sich als an andere denkt. Denn die Nichtspender finden sich vor allem im so genannten Unterhaltungsmilieu (mittlere Bildung) wieder, die in Österreich einen Anteil von 26 Prozent hat. Dieser Sparte sind Freizeitaktivitäten besonders wichtig.

Jene, die regelmäßig Geld für den guten Zweck hergeben (15 Prozent), sind ausschließlich im Niveaumilieu zu finden. Tendenziell gehören dieser Gruppe, die ein Fünftel der österreichischen Bevölkerung ausmacht, eher Frauen über 50 an. Diese Kategorie hat eine höhere Bildung, ist kulturinteressiert und beschäftigt sich gerne intellektuell.

85 Prozent der Befragten spenden nur unregelmäßig oder sporadisch. Dazu gehört das in Österreich am stärksten vertretene (30 Prozent Anteil) Harmoniemilieu (eher weiblich, in kleinen Orten). Diese Gruppe orientiert sich vor allem an regionalen Einflüssen und ist besonders heimatverbunden. Das Selbstverwirklichungsmilieu mit zehn Prozent Anteil - eher männlich - will lieber eigene Ziele verwirklichen und ist leistungsorientiert.

Trotzdem Weltmeister

Dass die generelle Abnahme von Spendern auch zu einem entsprechenden Einbruch von Spendeneinnahmen in Österreich geführt hat, kann nicht gesichert gesagt werden. Eine Gesamtsumme liegt nicht vor, auch seriöse Schätzungen sind nicht möglich. Als Gradmesser in Österreich dient aber die ORF-Spendenaktion "Licht ins Dunkel" und die brachte in ihrem 32-jährigen Bestehen jedes Jahr ein neues Rekordergebnis. Zuletzt spielte die Aktion 13,1 Millionen Euro ein. Weswegen sich Österreich auch jährlich auf ein Neues als Spendenweltmeister feiert. (APA, simo/DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2004)

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    Spendenverhalten in Österreich

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