Strasser: "Er glaubt immer, dass es nach seinem Schädel gehen muss"

17. Dezember 2004, 21:27
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Ex-Innenminister übt scharfe Kritik am Bundeskanzler: "Er hat nicht geglaubt, dass ich Ernst mache" - Abgang mangels Perspektive

Wien - Mit ungewöhnlich deutlicher Kritik an Bundeskanzler Wolfgang Schüssel meldet sich Ex-Innenminister Ernst Strasser in den Niederösterreichischen Nachrichten (NÖN) zu Wort. Die entsprechende Interview-Passage im Wortlaut:

Frage: Erwin Pröll war am Donnerstagabend sehr nachdenklich. Hat er gewusst, dass Sie am nächsten Tag zurücktreten?

Strasser: Pröll hat schon länger von meinen Absichten gewusst. An diesem Abend hab' ich ihm aber gesagt, dass es so weit ist.

Frage: Pröll hat's vorher erfahren, Wolfgang Schüssel erst im letzten Moment. Absicht?

Strasser: Es hat mit Schüssel mehrere Gespräche gegeben, bei denen ich gesagt habe, dass ich aufhöre. Aber er hat nicht geglaubt, dass ich Ernst mache er glaubt immer, dass es nach seinem Schädel gehen muss.

Frage: Sie haben Schüssel überrascht ...

Strasser: Erst hat er mich gebeten, bis Jänner zu bleiben, dann hat er sich anders entschieden. Was soll's: Ich hab meinen Laptop und eine Schuhschachtel voll Persönlichem eingepackt und habe noch am Freitag mein Büro geräumt.

"Ein bisschen bin ich selber schuld"

Vorsichtig blieb Strasser im NÖN-Interview auf die Frage nach dem persönlichen Verhältnis zum Kanzler: "Es gab sachliche Unterschiede. Und ich bin eben einer, der Dinge beim Namen nennt und sie offen heraussagt." Auch die Rolle des "Rechts-Außen" - vor allem in der Asylpolitik - behagte Strasser keineswegs: "Ich glaube, das war das Amt - ein bisschen bin ich auch selber schuld."

Politische Perspektiven sieht Strasser offenbar keine: "Nach dem Innenminister gibt es nicht mehr viel. Bundeskanzler zu sein, das wäre nicht meines, da müsste man zu viele Kompromisse schließen. Beim EU-Kommissar hätte ich auch dreimal überlegen müssen. Und in NÖ ist die Funktion des Landeshauptmannes super besetzt. Der Erwin Pröll wird das hoffentlich noch lang machen und dann wäre ich zu alt." (APA)

  • Strasser: "Was soll's: Ich hab meinen
Laptop und eine Schuhschachtel voll Persönlichem eingepackt und habe
noch am Freitag mein Büro geräumt."
    foto: standard/cremer

    Strasser: "Was soll's: Ich hab meinen Laptop und eine Schuhschachtel voll Persönlichem eingepackt und habe noch am Freitag mein Büro geräumt."

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