Vier Jahre Haft für legendären letzten "Paten" von Marseille

15. Dezember 2004, 09:43
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"Jacky Le Mat" soll auf alte Tage doch noch ins Gefängnis

Der mutmaßliche letzte "Pate" von Marseille soll auf seine alten Tage doch noch in den Knast: Das Strafgericht der südfranzösischen Hafenstadt verurteilte den bald 75-jährigen Jacky Imbert alias "Jacky Le Mat" (Jacky, der Verrückte) am Dienstag wegen eines geplanten Zigarettenschmuggels mit der russischen Mafia zu vier Jahren Haft ohne Bewährung.

"Jacky Le Mat" ist in Frankreich eine lebende Legende. Er galt in den sechziger und siebziger Jahren als einer der gefährlichsten Bandenverbrecher, kam aber ähnlich wie einst Al Capone lange ungestraft davon. Seine Anwälte hatten vergeblich geltend gemacht, Imbert sei ein "Showbiz-Rentner" und habe sich längst aus dem Geschäft zurückgezogen. Sie kündigten an, in Berufung zu gehen.

Als berüchtigter Auftragsmörder gegolten

Nach Ansicht des Gerichts wollte Jacky Imbert mit sieben weiteren Verurteilten einen internationalen Zigarettenschmuggelring aufziehen. Schließlich entschied sich die Bande dafür, die Tabakwaren in der Nähe von Marseille in einer eigenen Fabrik herzustellen. Die Maschinen sollten von der russischen Mafia geliefert werden. Imbert sitzt seit Oktober 2003 in Untersuchungshaft. Damals war ein mutmaßlicher Angehöriger des Schmuggelrings nach einer Festnahme in Deutschland wieder auf freien Fuß gesetzt worden; die Behörden wollten verhindern, dass er die anderen Verdächtigen warnte und nahmen sie umgehend in Haft. Imbert und die anderen Angeklagten hatten stets beteuert, sie hätten von dem Plan gehört, ihn aber nicht in die Tat umsetzen wollen.

"Jacky Le Mat" hatte in jungen Jahren als berüchtigter Auftragsmörder gegolten und war von der Polizei überwacht worden. Nachgewiesen wurde ihm aber kein einziges Schwerverbrechen. 1993 sagte Imbert in einem Interview, die Polizei habe ihn immer zu "Dingern" verhört, die er nicht gedreht habe. Wenn er dagegen wirklich etwas ausgefressen habe, habe sich niemals ein Beamter bei ihm gemeldet. (APA/AFP)

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