"Geschütztes Wohnen" für Obdachlose und Pfleglinge

15. Dezember 2004, 20:51
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Nach "Pflegeskandal" Suche nach Konzepten

Für Menschen, die nur zeitweilig Pflege brauchen, soll es nun eine neue Form der Betreuung geben. "Geschützte Wohnräume" nennt Gesundheitsstadträtin Renate Brauner (SP) das Wohnprojekt, bei dem die Pfleglinge unterstützt werden, sie aber gleichzeitig weitgehend ihren Tagesablauf autonom gestalten.

Zielgruppe sind Menschen, die wegen ihrer angespannten sozialen Lage oft in Pflegeheimen landen, weil es keine andere Unterbringungsmöglichkeit gibt. Manchmal werden auch Obdachlose, die körperlich oder psychisch nicht fit sind, in Heimen untergebracht. In Summe wurde ein Bedarf von ca. 700 Personen identifiziert, sagt Brauner. Davon sind rund 400 Dauerpatienten in Heimen, die dort aber nicht sein müssten, weil sie nicht dauernd der Pflege bedürfen. Die anderen sind Menschen, die derzeit in der "Wohnungslosenhilfe" Quartier finden, dort aber alleine nur schwer zurechtkommen.

Fünf Wohnhäuser geplant

Der Fonds Soziales Wien, in dem seit Kurzem die gesamten Sozial- und Gesundheitsagenden der Stadt Wien konzentriert sind, wird das Projekt umsetzen. Vorerst sind fünf Wohnhäuser geplant, in denen maximal 60 Personen in Kleinwohnungen einziehen werden. Karitative Organisationen wie das Neunerhaus, das Wiener Hilfswerk oder die Heilsarmee sollen als Partner fungieren und die Häuser dann betreuen.

Nach dem Lainzer "Pflegeskandal" ist man in der Stadt bemüht, die Umstände von unzureichender Pflege zu bereinigen. Vorfälle wie jener in Lainz, bei dem eine Patientin von einer Gutachterin der Aufsichtsbehörde in einem ungepflegten Zustand vorgefunden wurde, sollen verhindert werden. Im Lainzer Geriatriezentrum werden in den nächsten Jahren die Pavillons saniert und die Bettenzahl reduziert; das Gelände soll durch Freizeiteinrichtungen aufgewertet werden. (aw/DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2004)

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