Grand Slam in sechzehn Tagen

17. Dezember 2004, 10:37
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Bode Miller gewann in knapp zwei Wochen in allen vier Ski-Disziplinen - US-Star nimmt Maiers historische 2000-Punk­te-Saison ins Visier

Sestriere/Italien - In den ersten zehn Rennen der Weltcup-Saison 2004/2005 hat Bode Miller die Konkurrenten zu Statisten degradiert, dennoch hat der US-Amerikaner am Montag nach seinem Slalom-Triumph in Sestriere verfrühte Gratulationen zur ersten "Großen Kristallkugel" seiner Karriere energisch abgewehrt. "Das ist absolut verrückt. Mit 730 Punkten hat noch niemand den Gesamt-Weltcup gewonnen", betonte Miller, der nach seinem sechsten Saisonerfolg bereits 391 Punkte Vorsprung auf den zweitplatzierten Titelverteidiger Hermann Maier aufweist.

"Das wäre schon ein Ziel"

Laut Millers Rechnung benötigt man "mindestens 1.200, aber besser 1.400 oder 1.500 Punkte" zum Gesamtsieg. Der 27-Jährige konnte es sich aber nicht verkneifen, seinen Blick vorsichtig in Richtung der historischen Weltcup-Saison 1999/2000 von Hermann Maier zu richten. Damals hatte der "Herminator" genau 2.000 Punkte erreicht - nach wie vor einsamer Rekord. "Das wäre schon ein Ziel", gestand Miller, der aber gleich hinzufügte: "Die Saison dauert noch so lange, da kann noch viel passieren."

So oder so, Miller ist seit Montag "Weltrekordler". Er hat als zweiter Athlet nach Marc Girardelli (1988/89) den "Ski-Grand-Slam" mit Saisonsiegen in den vier Disziplinen Abfahrt, Slalom, Super G und Riesentorlauf geschafft, bei den Damen ist das bisher nur Petra Kronberger (1990/91) gelungen. Girardelli benötigte dafür 72 Tage, Kronberger im Dezember 1990 21. In nur 16 Tagen wie jetzt Miller hat das aber noch keiner geschafft. In der allerersten Weltcup-Saison hatte Jean-Claude Killy 1967 ausgerechnet in Millers US-Heimatort Franconia Siege in Abfahrt, Riesentorlauf und Slalom innerhalb von nur drei Tagen errungen. Damals gab es noch keinen Super G.

Großer Rückstand von Raich

Bester Österreicher in Sestriere war Benjamin Raich als Vierter, der Pitztaler war jedoch vor allem auf Grund des großen Rückstands auf Miller (2,31 Sekunden) alles andere als zufrieden. "Aber dass ich mit dieser Leistung Vierter geworden bin, darauf lässt sich aufbauen", sagte der Tiroler, der in Gröden die Abfahrt auslassen wird. Seine Chancen im Gesamt-Weltcup, aktuell ist Raich Dritter, beurteilte der 26-Jährige folgendermaßen: "Wenn ich so weiterfahre, dann habe ich keine Chance. Aber wir haben nicht einmal Halbzeit, verschenkt wird nichts."

Die Analyse von Herren-Cheftrainer Toni Giger fiel nüchtern aus. "Für diese Leistung sind die Platzierungen in Ordnung, die Rückstände sind aber ein Wahnsinn. So weit weg sind wir aber sicher nicht", erklärte der Salzburger nach drei Top-10-Platzierungen (Raich 4., Pranger 7., Schönfelder 9.) seiner Truppe. Stark begonnen hatte Ex-Weltmeister Mario Matt, der mit toller Zwischenzeit im ersten Lauf ausgeschieden war.

Verkrampfter Pranger

Zu verkrampft geht derzeit Manfred Pranger zu Werke. "Ich habe meine Technik verändert, bin aber nur langsamer geworden", meinte der Tiroler, der Kritik am "halben Nachtslalom" (nur der zweite Durchgang fand bei Flutlicht statt) übte. "Das ist nicht Fisch nicht Fleisch, so macht das wenig Sinn." Für Millers Leistung war Pranger dagegen voll des Lobes: "Ein Wahnsinn wie sicher und konsequent der derzeit fährt."

Hinsichtlich des kommenden Weltcup-Wochenendes in Gröden (Abfahrt, Super G) und Alta Badia (Riesentorlauf) gibt es im ÖSV-Herren-Team noch jede Menge Fragezeichen. Fix ist nur, dass Raich die Abfahrt auslassen wird und Andreas Schifferer neuerlich in den Speed-Rennen zuschauen muss und lediglich im Riesentorlauf an den Start gehen darf. Herren-Chef Giger Giger will Hannes Reichelt, Christoph Kornberger und Georg Streitberger in Italien einsetzen, ob es eine Abfahrts-Quali gibt, ist noch offen.

"Zweite letzte Chance" für Mayer?

Möglicherweise eine "zweite letzte Chance" wird Christian Mayer im Riesentorlauf von Alta Badia erhalten, obwohl der Kärntner in Val d'Isere das angestrebte Top-15-Ergebnis klar verpasst hatte. "Normalerweise würden wir 'Nein' sagen, aber bei einem Läufer wie Mayer darf man die Verdienste nicht vergessen", betonte Giger.(APA)

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    Bode Miller, erster Siegertipp in allen Disziplinen.

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