Concorde-Absturz nicht durch Konstruktionsmängel verursacht

16. Dezember 2004, 19:31
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Auch Air France laut Abschlussbericht schuldlos - Im Visier der Ermittler steht die US-Fluggesellschaft Continental Airlines

Die Concorde-Katastrophe mit 113 Toten ist nach dem Abschlussbericht der französischen Ermittler nicht durch Konstruktionsmängel des Überschallflugzeugs verursacht worden. Wie die Nachrichtenagentur AFP vor der Veröffentlichung des Berichts am Dienstag aus Justizkreisen erfuhr, sehen die Behörden nach "derzeitigem Stand" auch keine Schuld der Betreiberin Air France an dem Absturz vom 25. Juli 2000.

Im Visier der Ermittler steht dagegen die US-Fluggesellschaft Continental Airlines. Auf der Startbahn des Pariser Flughafens Roissy hatte eine Continental-Maschine vor dem Unglück ein Austauschteil verloren; dieses gilt als der Auslöser.

Titanstück zerschnitt Reifen

Den Ermittlern zufolge war die Concorde beim Start über das offenbar unzulässig harte Titan-Austauschteil der amerikanischen DC-10-Maschine gerollt. Dieses Titan-Stück zerschnitt einen Reifen der Concorde; umherfliegende Reifenteile brachten den Treibstofftank des Überschalljets zum Bersten und lösten in einer Kettenreaktion schließlich den Brand der Maschine aus. Die Maschine stürzte kurz nach dem Abheben unweit von Paris bei Gonesse brennend in ein Hotel. Außer den 109 Insassen des Flugzeuges starben vier Menschen am Boden.

Titan nicht vorgesehen

Früheren Angaben der französischen Ermittler zufolge war die Original-Lamelle der Continental-DC-10 im texanischen Houston durch ein hartes Titan-Stück ausgetauscht worden. Das weichere und weniger scharfe Originalteil dagegen "schneidet Reifen nicht", hatte ein Experte gesagt. In den Wartungsbüchern der Maschine sei Titan als Material nicht vorgesehen. Untersuchungsrichter Christophe Regnard wolle auch durch Expertisen in den USA klären, wieso das gefährliche Metallstück überhaupt zum Einsatz kommen konnte. Continental Airlines lehnt bisher jede Verantwortung für das verheerende Unglück ab.

Vierährige Untersuchungen

Nach vierjährigen Untersuchungen wollten die Justizbehörden ihren Abschlussbericht am Dienstagnachmittag den Angehörigen der Absturzopfer übergeben. Anschließend sollten Staatsanwalt Xavier Salvat und die mit der Akte betraute Vize-Staatsanwältin Elisabeth Senot die wesentlichen Schlüsse darlegen. (APA/AFP)

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    Beim Concord-Absturz am 25. Juli 2000 kamen 113 Menschen ums Leben.

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