Türkische Presse: Erdogan soll beim Gipfel Zypern-Zusage machen

15. Dezember 2004, 11:12
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Angeblich Dreier-Treffen Erdogan-Chirac-Schröder im Gespräch

Istanbul - Die EU erwartet nach einem Zeitungsbericht beim EU-Gipfel diese Woche in Brüssel eine Zusage des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan im Zusammenhang mit dem Zypern-Konflikt. Die EU werde Erdogan beim Gipfel am Donnerstag und Freitag den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei in Aussicht stellen, im Gegenzug aber eine Absichtserklärung mit Blick auf Zypern fordern, berichtete die türkische Zeitung "Cumhuriyet" am Dienstag. Sollte Erdogan sich weigern, werde es nach Meinung der niederländischen EU-Ratspräsidentschaft für die Türkei "große Probleme" geben, meldete das Blatt.

Die Türkei erkennt die (griechische) Republik Zypern bisher nicht offiziell an, obwohl das Land Mitglied der EU ist. Die Regierung in Nikosia droht deshalb mit ihrem Veto gegen die Eröffnung von EU-Beitrittsgesprächen mit Ankara. Laut "Cumhuriyet" soll sich Erdogan beim Gipfel verpflichten, ein Zusatzprotokoll zur Zollunion zu unterzeichnen - dies würde auf eine indirekte Anerkennung Zyperns durch die Türkei hinauslaufen. Erdogan und sein Außenminister Abdullah Gül wollen am Donnerstagabend an einem Abendessen der Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel teilnehmen.

Die Republik Zypern ist am 1. Mai dieses Jahres der EU beigetreten, ohne dass das Problem der Wiedervereinigung gelöst worden wäre. Die Republik Zypern lehnte zuvor den entsprechenden UNO-Plan in einem Referendum ab, die nur von Ankara anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" im trükisch besiedelten Nordteil der insel stimmte ihm zu.

Unterdessen meldete die Zeitung "Hürriyet", Erdogan werde während des Gipfels möglicherweise zu einem Dreier-Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) zusammenkommen. Dabei werde es um den französischen Wunsch gehen, in der Abschlusserklärung des Gipfels eine Alternative zur Vollmitgliedschaft der Türkei zu erwähnen. (APA)

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