Wortführer, die

14. Dezember 2004, 00:00
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Kommentar: Die österreichischen Mitglieder des "Rats für deutsche Recht­schreibung" stehen fest - und auch, dass nur eine Frau darunter ist

"Man sollte zur Rechtschreibung niemanden befragen, der über 60 ist. Die Alten wollen ja nicht mehr lernen. Das sollen mal die Jungen machen," meinte Marcel Reich-Ranicki, als die Rechtschreibreform im deutschsprachigen Raum zwar spruchreif, aber noch nicht verbindlich war; was sich alsbald, genau: mit dem 1. August 2005, ändern wird.

Bis dahin soll an dem neu in Form gebrachten Regelwerk noch gefeilt werden, und das von Leuten, die in Sprache machen, sozusagen, professionell und mit geschultem Auge, und - wider Gutheissens oben zitierten Kritikers - oft doch älteren Semesters sind. Wollen wir doch an dieser Stelle altersdiskriminiernde Äußerungen nicht weiter thematisieren, auch nicht an späterer, wir haben uns schließlich einer anderen Form von Diskriminierung verschrieben (Sie ahnen schon, welche, nicht?).

Der designierte Vorsitzende des neuen Rates für deutsche Rechtschreibung, Hans Zehetmair, der früher bayerischer Kunst- und Kultusminister war, will doch bis Ende des Jahres erste Korrekturen der (hierzulande weniger) umstrittenen Reform angehen; im Besonderen sollen es die ExpertInnen mit der Getrenntschreibung aufnehmen. Oder, um es positiver zu formulieren, mit der Zusammenschreibung.

Aber: Zusammen geschrieben wird, geschlechterspezifisch betrachtet, nicht wirklich an der neuen Verordung. Dann lieber doch Getrenntschreibung. Acht Experten und eine Expertin sind in der österreichischen Delegation für den Rat vertreten. Das ist mager.

Derweil wird speziell Frauen Sprachbegabung oder auch "nur" die Begabung zur korrekten Umsetzung deren Exoskeletts, um das es hier doch ginge, zugeschrieben. Und das nicht unbegründet. Da hätte sich doch die eine oder andere Expertin finden lassen, die zur Neufindung der deutschen Sprachform etwas hätte beitragen können. Wollen. Sollen.

Nun, statt dessen tummeln sich neben Helmut Zilk - hier in seiner Funktion als ehemaliger Unterrichtsminister zu nennen - der ehemalige Wiener Stadtschulratspräsident Kurt Scholz, der aktuelle Leiter der Zwischenstaatlichen Kommission, Karl Blüml, der ehemalige Kultur-Ressortleiter der "Presse", Hans Haider, der Germanistik-Professor Richard Schrodt (Uni Wien), der Autor Ludwig Laher, der Geschäftsführer des Schulbuchverlags öbv&hpt, Georg Glöckler, Günter Lusser von der Pädagogischen Akademie Feldkirch neben Ulrike Steiner, als Redakteurin des Österreichischen Wörterbuchs bisher schon in der Zwischenstaatlichen Kommission tätig, auf der Besetzungsliste.

Der Rat, dem neben den jeweils neun österreichischen und schweizer achtzehn deutsche ExpertInnen angehören, soll am 17. Dezember in Mannheim konstituiert werden. Mal sehen, wie es um die endgültige Frauenquote bestellt ist. (bto)

14.12.2004
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    Schieflage: Eines der neun neuen Kommissionsmitglieder ist weiblich.
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