Kalendarisch verordnetes Hochgefühl

13. Dezember 2004, 20:32
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Das Grazer Theater im Bahnhof (TiB) entlarvt mit "Wieder schöne Weihnachten" die kalendarisch verordnete Gefühlsfabrik

Weihnachten! Etwas Kostbares, Unwiederbringliches! Fünf Frauen versprechen dem Publikum festliche Momente: ein schönes und trauriges Märchen, ein nachdenkliches Lied, eine schwungvolle Tanzeinlage. Irgendwie misslingen sie alle, diese Versuche, Rührung aus dem Anlassfall herzustellen, scheitern an lächerlichen Pannen und kläglicher Unzulänglichkeit. Das Grazer Theater im Bahnhof (TiB) entlarvt mit Wieder schöne Weihnachten die kalendarisch verordnete Gefühlsfabrik und macht damit seinem Publikum das Geschenk einer klugen und witzigen Jahresendzeit-Produktion. Der Text von Colette M. Schmidt (DER STANDARD) nützt die Stärken der TiB-Truppe und verschränkt gekonnt die Ebenen der Kommunikation. Regisseur Ed. Hauswirth lässt seine Akteurinnen perfekt über dem Abgrund eines hohlen Rituals tanzen.

Der Mut zum Versagen, das Herausfallen aus der Rolle und der Wechselschritt zwischen banalen Träumen und einer noch banaleren Realität sind die Qualitäten, für die man das TiB liebt. Juliette Eröd, Pia Hierzegger, Gabriela Hiti, Eva Maria Hofer und Monika Klengel üben das kindliche Spiel mit Rollen und Fantasien. Am Fest der Liebe wird schließlich auch um die Scherben ein Lichterketterl drapiert. Trotzdem gut, dass man in die Mailbox sprechen könnte: Am Vierundzwanzigsten bin ich nicht zu Hause! (frak/ DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2004)

Theater im Bahnhof Graz
Lendplatz 35
15, 16.,17., 18. 12., 20 Uhr

Tanzquartier Wien
Halle G
22. 12., 20.30 Uhr

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Theater im Bahnhof
  • Artikelbild
    foto: tib
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