Erinnerungskultur im Café Austria

22. Dezember 2004, 12:20
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Die Aktuelle Zeitschrift: "Das Jüdische Echo"

Noch vor Beginn des dreifachen Jubiläumsjahres 2005 (60 Jahre Zweite Republik, 50 Jahre Staatsvertrag, zehn Jahre EU-Beitritt) bietet das Jüdische Echo eine kritische Auseinandersetzung mit Österreichs Erinnerungskultur. Auf 318 Seiten und in mehr als 70 Beiträgen hochrangiger Autoren liefert das von Leon Zelman editierte Echo, ein gedrucktes "Café Austria", den Beweis, dass die düsteren Geschichtsphasen längst nicht mehr nur "aus der Perspektive der Täter und Mitläufer beurteilt" werden. Die Zeitschrift wird via Botschaften in alle Welt verbreitet, ist über das von Zelman geleitete "Jewish Welcome Service" aber auch in Österreich zu haben (Infos: 01/533 03 23).

Heuer schreibt mit Heinz Fischer erstmals ein amtierender Bundespräsident einen Beitrag; Exkanzler Franz Vranitzky setzt sich mit dem Begriff Patriotismus auseinander. Literarische Texte (u. a. von Elfriede Jelinek) wechseln mit Beiträgen von Publizisten (darunter die STANDARD-Autoren Gudrun Harrer, Paul Lendvai und Hans Rauscher) ab. Die Themen reichen von Österreich-Reflexionen über den neuen Antisemitismus bis zum Verhältnis Israels zur EU. Israelische Politiker bewerten das Erbe des vor 100 Jahren verstorbenen Theodor Herzl. Mit dem Wiener Presse-Journalisten Herzl, der zum Begründer des politischen Zionismus wurde, befasst sich die Historikern Brigitte Hamann ebenfalls ausführlich.

Hamann wird Zelman auch bei der - teilweisen - Verwirklichung von dessen Lieblingsprojekt unterstützen: In dem zur Parlamentsdependance umgebauten Ringstraßenpalais Epstein soll bis Oktober 2005 eine permanente Ausstellung über den jüdischen Beitrag zu Österreichs Kultur und Geschichte entstehen. (Erhard Stackl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14. 12. 2004)

"Das Jüdische Echo. Europäisches Forum für Kultur und Politik"

318 Seiten, jährlich einmal, Jewish Welcome Service, 1010 Wien, Stephanspl. 10
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