Voggenhuber ist an allem schuld

16. Februar 2005, 13:38
13 Postings

Nur wer die richtige Zeitung liest, kann Österreich wirklich verstehen...

Nur wer die richtige Zeitung liest, kann Österreich wirklich verstehen. Während der Rest des Landes auch nach Dutzenden Medienauftritten noch immer rätselt, was einen so tüchtigen und sensiblen Niederösterreicher wie Ernst Strasser zum fluchtartigen Verlassen seines Ressorts veranlasst hat, konnte es sich der Leser des Kleinformats sofort und mühelos zusammenreimen. Es war die schiere Angst - vor Johannes Voggenhuber. Grüne wollen uns bei EU anzeigen! titelte das Kleinformat am Freitag.

Das noch am Donnerstag in der Abendausgabe lesen, rief Strasser mit einem Schlag in Erinnerung, wie lange er eigentlich schon in die Privatwirtschaft zurückkehren wollte. Beim Bundeskanzler auf ein Fluchtachterl vorbeischauen, um sich den nächsten, für Interviews reservierten Tag nicht von einer parlamentarischen Konfettiparade versauen lassen zu müssen, war rascher in die Tat umgesetzt als ein roter Spitzenbeamter versetzt. Der von heimischen Verfassungsfreaks bisher nur leicht angekratzte Leumund wurde vor einer Anzeige europäischer Dimension gerade noch einmal bewahrt und damit der luftballonhafte Aufstieg eines rücktrittsreifen Verteidigungsministers zum Doppelressortchef in die Wege geleitet. Und das alles wegen eines grünen Nestbeschmutzers.

Soll noch einer sagen, die Grünen hätten keinen Einfluss auf die Regierungsgeschäftigkeit. Wäre es nur der Aufmacher der "Kronen Zeitung" gewesen, Strasser hätte sich und seinen guten Ruf nicht gleich von grüner Vernaderung bedroht sehen müssen. Wenn die "Krone" uns schreibt, dann meint gewöhnlich Hans Dichand sich selbst. Es ist der Plural der patriotischen Egomanie, mit dem er ausdrücken will, er sei die große Welt, in der die kleine österreichische ihre Nabelschau halten darf.

Leider gab sich das Blatt, wenn auch mit erkennbarem Widerwillen, im Inneren dann dazu her, Voggenhubers Verrat dahingehend zu präzisieren, dass es sich bei Strassers Asylgesetzentwurf um Verstöße gegen die Europäische Menschenrechtskonvention, die Genfer Flüchtlingskonvention und die EU-Grundrechtscharta handle. Als ob diese Multikulti-Paragraphenfuchserei neben den summierten Meinungen des Herausgebers und der Redaktion eine Bedeutung hätte.

Aber die bange Frage des Blattes Erstes Verfahren schon im Jänner? ließ dann doch Eile geboten erscheinen und heizte Strassers Sehnsucht nach Erholung vom Stress der Politik in der Privatwirtschaft an. Die "Krone" muss sich der innenpolitischen Tragweite des grünen Anschlages auf den Innenminister bewusst gewesen sein, denn in derselben Ausgabe versuchte Günther Nenning in seiner Kolumne mit dem Verdikt Nix multikulti dem Innenminister den Rücken zu stärken, wobei ihn aufmerksame Leser deutlich über seinen eigenen Schatten springen sahen. Schon am nächsten Tag schrieb einer: Ich bin heute sehr erstaunt über die Kolumne von Hrn. DDr. Nenning! Sein "Nix multikulti"-Artikel ist erstaunlich. Offene Worte, wie man sie in der Bevölkerung seit langem hört, aus dem Mund eines - wie er sich selbst bezeichnet - "alten Sozi"? Lieber Herr DDr.: Offensichtlich hat auch Sie (ebenso wie Hrn. Dr. Zilk und einige andere Genossen) die Weisheit des Alters übermannt - geben Sie ein kleines bisschen davon an Ihre Genossen ab.

Der Islam, so der von der Weisheit des Alters übermannte DDr., wehrt sich nicht nur gegen die Vorherrschaft des Westens, er ist auch aktiv und offensiv unterwegs, um - in der Zerrform des Islamismus - seinerseits die Welt zu unterwandern und zu erobern. Wär 's nur das! Und was hat der Westen, was hat Amerika dem entgegenzusetzen?! Unsere Wirtschaftsreligion: leisten, leisten, leisten, Geld verdienen um jeden Preis. Unsere Sexreligion: nackt, nackt, nackt, Freizügigkeit um jeden Preis.

Die Lage ist aussichtslos, allein der DDr. weiß Rettung. Den Zusammenstoß der Kulturen, der tagtäglich stattfindet, können wir nicht gewinnen mit Werten, die keine sind. Um zu bestehen, um zu gewinnen, brauchen wir eine innere Erneuerung. Für diesen edlen Zweck will er mit seinen Kolumnen Geld verdienen um jeden Preis, auch wenn dort, wo er dies tut, die Freizügigkeit um jeden Preis zumindest im Advent und in der Karwoche in einer Weise eingeschränkt ist, dass man die "Krone" für ein Islamistenorgan halten könnte. In diesen Zeiten verdient sie das Geld mit innerer Erneuerung.

Gar nicht erstaunt waren die Leser hingegen über Johannes Voggenhuber, aber der hat sich auch nie als "alten Sozi" bezeichnet. Dennoch hat er zur Flucht des Innenministers mehr beigetragen als alle neuen Sozis zusammen. Dafür kommt er mit Charakterisierungen wie Fieser geht 's nicht mehr! oder Politische Totengräber, beziehungsweise Grüne Vernaderer eigentlich ganz gut weg.

Ein regelmäßiger Beiträger wünscht ihm sogar ausdrücklich nicht, dass er in Brüssel oder in Straßburg ein zweites Mal an einen nordafrikanischen oder anderen armen Asylanten gerät, der ihm Schmerzen zufügt! Aber vor uns, die er angezeigt hat, sollte er sich in Acht nehmen. (DER STANDARD, Printausgabe, 14.12.2004)

Von Günter Traxler
  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.