Funkverkehr: Die stille Post der Berge

20. Dezember 2004, 13:14
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Nicht nur die falsche Ski- oder Schuhwahl kann den Sieg kosten, auch im Funkverkehr entlang der Rennpisten lauern manchmal tückische Fallen

Sestriere - Skifahren ist eine besonders komplexe Sportart. Alles muss zusammenpassen in den Bergen. Der Mensch zum Ski, der Schuh zum Fuß, der Helm zum Kopf, die Brille zum Licht, der Abfahrtsstock zum Leib - weshalb er individuell von einem Spezialisten gebogen wird -, das Wachs zum Schnee, die Kante zum Eis, das Futter zum Muskel. Die Liste dieser wechselseitigen Beziehungen mit ihren Variablen ließe sich endlos fortsetzen, und alles hängt mit allem irgendwie zusammen.

Das diesbezügliche Modewort im Zirkus heißt gegenwärtig "Setup" und ist im Begriff, dem aggressiven Schnee und der Taillierung den Rang abzulaufen - was vor allem daran liegt, dass Hermann Maier mit ihm, dem Setup, mit dem weiland Gerhard Berger auf den Grand-Prix-Pisten dieser Welt kämpfte, sein Gfrett hat.

Ein anderes Gfrett hatten die Skisportler am Sonntag beim Riesenslalom in Val d'Isère, bei dem die Österreicher im Finale eine dreifache Führung aus der Hand gaben und zwei von ihnen vom rechten Weg abkamen. Es gab gröbere Kommunikationsschwierigkeiten, und schuld waren die Felsen. Die Herren Rennläufer bedachten nach dem relativ missglückten Werk die Herren Trainer mit bitterbösen Blicken, dabei hatten diese ihr Bestes gegeben und die Tipps wirklich gut gemeint. So eine ähnliche Geschichte hatte sich auch bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City zugetragen, als einer dem Trainer vorwarf, Abfahrtsgold wegen dessen falschen Funkspruchs verpasst zu haben.

Die undurchdringlichen Felsen in Val d'Isère störten den Funkverkehr offenbar entscheidend. In den Geräten rauschte es, und Trainer A konnte den Tipp, wie eine kritischen Stelle abzuhandeln sei, nicht direkt hinauf zum Start funken, sondern funkte zunächst Trainer B an, welcher die Meldung weiterzugeben hatte zu Trainer C, der wiederum dem Rennläufer im Starthäuserl berichtete, wie er den Schwung richtig anzulegen habe. Es handelte sich also dabei um eine stille Post der Berge.

Das Wesen dieses lustigen Spiels besteht ja darin, dass aus dem letzten Mund ganz was anderes rauskommt, als in das erste Ohr geflüstert wurde. So können aus indischen Kindern unversehens kindische Inder werden. Und wenn unten im Tal einer sagt, "Fahrt's rund", dann kann es durchaus passieren, dass oben am Berg rauskommt, "Fahrt's wie die wilden Hund". Das ist jetzt rein fiktiv, aber so ungefähr könnte es passiert sein.(DER STANDARD Printausgabe 14. Dezember 2004, Zelsacher)

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