IPI kritisiert Verurteilung eines US-Journalisten

17. Dezember 2004, 12:35
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Hausarrest für Reporter, der Informanten nicht preisgeben wollte

Das Internationale Presseinstitut (IPI) hat scharfe Kritik an der Verurteilung eines US-Journalisten durch ein amerikanisches Gericht geübt. In einer Presseaussendung am Montag bezeichnete die Organisation das Urteil des Bezirksgerichts im US-Bundesstaat Rhode Island vom Donnerstag als einen Angriff auf die Pressefreiheit.

Sechs Monate Hausarrest

Der investigative Fernsehreporter Jim Taricani war vergangenen Donnerstag vom Bezirksrichter Ernest Torres zu sechs Monaten Hausarrest verurteilt worden, da er nicht sagen wollte, von wem er ein Beweismittel erhalten hatte. Dabei handelt es sich um ein Video, mit dem Beamte in Providence (Rhode Island) der Korruption überführt wurden. Der Richter befand Taricani für schuldig, durch seine Weigerung das Gericht missachtet zu haben.

In der Begründung seines Urteils sagte Torres, Journalisten sollten keine "exklusive, uneinsehbare Autorität" haben. Zudem sei der Fall von den Medien aufgebauscht worden. Auch die Tatsache, dass sich der Informant, der Anwalt Joseph Bevilacqua, nach der Weigerung Taricanis selbst preisgegeben hatte, änderte nichts an dem Urteil.

"Der Gerechtigkeit wurde nicht gedient"

"Der Gerechtigkeit wurde mit Taricanis Hausarrest nicht gedient", sagte der Direktor des in Wien ansässigen Internationalen Presseinstituts, Johann Fritz, in der Aussendung. "Der Fall sendet sowohl an die Öffentlichkeit als auch an Journalisten die falschen Signale aus." Die Botschaft an Journalisten sei, dass sie eingesperrt würden, wenn sie nicht mit der Polizei kooperieren würden. Darüber hinaus seien potentielle Informanten nun nicht mehr in der Lage, Journalisten zu vertrauen, meinte Fritz sinngemäß. Viele, die Journalisten Informationen anbieten, würden dabei viel riskieren.

Der Fall sei nur einer von vielen, und er zeige die klare Absicht, investigative Journalisten unter Druck zu setzen und sie dazu zu bringen, es sich zwei Mal zu überlegen, bevor sie vertrauliche Daten nutzen, so Fritz weiter. Damit würde auch das Recht der Öffentlichkeit untergraben, die Arbeit ihrer gewählten Vertreter zu überprüfen. (APA)

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IPI

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