Deutsche Teles will über 120 Millionen Euro ausschütten

17. Dezember 2004, 13:01
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Vorstandschef Schindler: "Wir sind hoffnungslos überkapitalisiert"

Der deutsche Telekommunikationsdienstleister Teles AG will an seine Aktionäre über 120 Mio. Euro an nicht benötigtem Kapital ausschütten. Die außerordentliche Hauptversammlung stimmte am Montag den Plänen von Vorstandschef und Großaktionär Sigram Schindler zu, das Grundkapital der Gesellschaft zu halbieren und je Aktie einen Euro steuerfrei zurückzuzahlen.

Damit würden vermutlich Mitte Juli kommenden Jahres bis zu rund 22,9 Mio. Euro ausgezahlt. Der rechnerische Wert der im TecDax gelisteten Stückaktie sinkt dann auf einen von jetzt zwei Euro. Schindler bekräftigte vor den etwa 150 Aktionären, die aus dem erst am Sonntag besiegelten Verkauf des Bereichs Webhosting (vor allem Strato) an Freenet zufließenden Barmittel über 80 Mio. Euro in den nächsten zwei bis drei Jahren ebenfalls an die Aktionäre weiterreichen zu wollen. Schließlich könnten die Aktionäre weitere rund 20 Mio. Euro erhalten, wenn die beabsichtigte Platzierung der derzeit gehaltenen rund 2,17 Mio. eigener Aktien kursgerecht gelänge, sagte Schindler.

"Wir sind hoffnungslos überkapitalisiert", sagte Vorstandschef Schindler, der rund 49,8 Prozent der Anteile hält. Daher solle das Kapital halbiert und die Masse des Verkaufserlöses - Teles erhält neben dem Baranteil noch 3,1 Mio. Freenet-Aktien - an die Aktionäre weiter gegeben werden. Zudem sollten die im Durchschnitt für zehn Euro je Aktie aufgekauften Teles-Aktien wieder am Markt platziert werden, aber "mit Sicherheit nicht unter zehn Euro" je Stück, sagte Schindler weiter. Teles-Aktien, die am Freitag nach Bekanntgabe des Strato-Verkaufs um etwa 30 Prozent in die Höhe geschossen waren, notierten am Montagnachmittag bei 8,62 Euro um 13 Prozent im Plus.

Sollten die eigenen Aktien nicht wie geplant verkauft werden können, soll nach Vorstandsangaben die auf sie entfallene rechnerische Kapitalrückzahlung von etwa 2,17 Mio. Euro auf die anderen Aktien aufgeteilt werden, so dass sich die Auszahlung um etwa zehn Prozent auf rund 1,10 von 1,00 Euro erhöhen könnte. Der über einen Euro hinausgehende Betrag muss allerdings wie eine Dividendenzahlung dann versteuert werden.

Zu Einzelheiten über den Verkauf des Bereichs Webhosting oder über den aktuellen Geschäftsverlauf wollte sich Schindler nicht äußern. Mit der Konzentration auf das Kerngeschäft Breitbandzugang und Vermittlungstechnik habe Teles aber "schöne Perspektiven" vor sich. Ein weitere außerordentliche Hauptversammlung soll Ende Jänner oder Anfang Februar 2005 den Strato-Verkauf gut heißen. Sprecher von Aktionärsvereinigungen begrüßten die Ausschüttungspolitik. Ein Kleinaktionär erklärte allerdings, nach dem Verkauf des Geldbringers Strato bliebe von Teles "nur noch Asche". (APA/Reuters)

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