Miller gewinnt auch im Slalom

11. Oktober 2005, 15:28
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US-Amerikaner in Sestri­ere nicht zu schlagen, Zurbriggen und Palander auf den Plätzen - Bester ÖSV-Läufer Benjamin Raich auf Platz vier

Sestriere/Italien - Bode Miller hat seine Siegesserie im Herren-Weltcup auch auf italienischem Boden fortgesetzt. Der Superstar aus den USA feierte im Nachtslalom von Sestriere im zehnten Saisonrennen den sechsten vollen Erfolg, den ersten in diesem Winter im Slalom. Der überlegene Gesamt-Weltcup-Leader, der mittlerweile 391 Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Hermann Maier aufweist, ist damit nach dem für Luxemburg startenden Vorarlberger Marc Girardelli (1988/1989) der erst zweite Athlet der Weltcup-Geschichte, der in einer Saison Weltcup-Siege in den vier Disziplinen Abfahrt, Super G, Riesentorlauf und Slalom gefeiert hat.

Zurbriggen und Palander auf dem Podest

Hinter dem nunmehr 18fachen Weltcup-Sieger landeten der Schweizer Überraschungsmann Silvan Zurbriggen (+1,27 Sekunden) und der Finne Kalle Palander (1,41) auf den Plätzen zwei und drei. Beaver-Creek-Sieger Benjamin Raich, der das "Rote Trikot" erfolgreich verteidigte, belegte als bester Österreicher Platz vier, Manfred Pranger wurde Siebenter, Slalom-Weltcup-Sieger Rainer Schönfelder Neunter. Österreichs Slalom-Herren warten somit weiterhin seit 27. Jänner 1996 auf einen Sieg in Sestriere, damals hatte der Vorarlberger Mario Reiter im Piemont triumphiert.

Miller hatte bereits nach dem ersten Durchgang souverän geführt, im Finale hätte der 27-Jährige vor allem auf Grund der Ausfälle von Giorgio Rocca (2. nach dem ersten Durchgang) und Felix Neureuther (4.) etwas auf die Bremse treten können, Miller legte jedoch noch einmal die zweitbeste Laufzeit hin. "Ich bemühe mich seit vielen Jahren um den Gesamt-Weltcup. Wenn ich so weiter mache, dann kann ich es schaffen", lautete der zurückhaltende Kommentar von Miller nach seinem insgesamt fünften Slalom-Sieg trotz der haushohen Führung in der Gesamtwertung.

Sechster Saisonerfolg

Für Miller war es nach den Abfahrten in Lake Louise und Beaver Creek, dem Super G in Lake Louise sowie den Riesentorläufen in Sölden und Val d'Isere der sechste Saisonerfolg, der zweite innerhalb von nur zwei Tagen. Er benötigte nur 16 Tage, um in allen vier Disziplinen Weltcup-Triumphe einzufahren: Am 28. November siegte er im Super G in Kanada, am 3. Dezember gewann er die Abfahrt in den USA, am Sonntag (12.12) den Riesentorlauf in Frankreich und am Montagabend (13.12.) schließlich den Nachtslalom auf der Olympiapiste 2006.

Zum Vergleich: Girardelli hatte 1988/89 knapp zwei Monate für diese historische Leistung benötigt. Miller fehlt allerdings noch ein Kombinationssieg, damit er auch den seinerzeitigen "Weltcup-Bewerbs-Rekord" des für Luxemburg startenden Vorarlbergers egalisiert.

Zubriggen: "Das ist gewaltig"

Neben dem Saisondominator durfte auch die Schweiz jubeln: Zurbriggen, Vizeweltmeister 2003 in St. Moritz vor Heimpublikum, schaffte als Zweiter den ersten Podestplatz seiner Weltcup-Karriere. "Mein erster Podestplatz im Weltcup, das ist gewaltig. Dieses Resultat werde ich jetzt einmal genießen", meinte der Eidgenosse, der nicht mit dem früheren Weltcup-Dominator Pirmin Zurbriggen verwandt ist.

Der Pitztaler Raich, der 2,31 Sekunden auf Miller einbüßte, betrachtete den Slalom mit gemischten Gefühlen. "Mit der Platzierung bin ich zufrieden, die Leistung war aber schlecht. Ich konnte den Ski nicht richtig gehen lassen", betonte Raich, der die selben Probleme wie seine Teamkollegen hatte. Der große Rückstand macht dem 26-Jährigen aber keine Sorgen: "Wir haben noch viel Reserven."

Ähnlich sah es auch ÖSV-Technikcoach Gert Ehn: "Die Plätze vier, sieben und neun sind eigentlich ein gutes Ergebnis, was fehlt ist aber der Stockerlplatz. Sestriere ist ein eigenartiger Hang. Aber Bode war eine Klasse für sich, meine Hochachtung."

Der Herren-Weltcup setzt seine italienische Woche am Freitag (Abfahrt) und Samstag (Super G) in Gröden bzw. am Sonntag (Riesentorlauf) in Alta Badia fort.(APA)

Ergebnisse:

  • Endstand Slalom von Sestriere

  • Zweiter Durchgang:

    1. Silvan Zurbriggen (SUI)   48,30
    2. Bode Miller (USA)         +0,22
    3. Akira Sasaki (JPN)        +0,33
    4. Johan Brolenius (SWE)     +0,58
    5. Kentaro Minagawa (JPN)    +0,59
    6. Michael Janyk (CAN)       +0,87
    7. Kalle Palander (FIN)      +0,93
    8. Tom Rothrock (USA)        +1,15
    9. Andre Myhrer (SWE)        +1,20
    10. Thomas Grandi (CAN)      +1,29
         weiter:
    17. Benjamin Raich (AUT)     +1,53
    18. Manfred Pranger (AUT)    +1,56
    20. Rainer Schönfelder (AUT) +1,62
    

    Ausgeschieden: Cristian Deville (ITA), Giancarlo Bergamelli (beide ITA), Ivica Kostelic (CRO), Jouni Kaitala (FIN), Tom Stiansen (NOR)

  • Erster Durchgang:

    1.  Bode Miller (USA)        50,51      
    2.  Giorgio Rocca (ITA)      +0,63
    3.  Kalle Palander (FIN)     +0,70
    4.  Felix Neureuther (GER)   +0,86
    5.  Benjamin Raich (AUT)     +1,00
    6.  Manfred Pranger (AUT)    +1,19
    7.  Rainer Schönfelder (AUT) +1,35
    8.  Ivica Kostelic (CRO)     +1,40
    9.  Manfred Mölgg (ITA)      +1,42
    10. Silvan Zurbriggen (SUI)  +1,49
    weiter:
    17.  Kurt Engl (AUT)         +2,03
    25.  Martin Marinac (AUT)    +2,51
    

    Ausgeschieden: u.a. Kilian Albrecht (AUT), Mario Matt (AUT), Patrick Bechter (AUT), Peter Struger (AUT), Reinfried Herbst (AUT), Markus Larsson (SWE)

    • Foto: Reuters/ RellandiniBode Miller, auch im Slalom in Überform.

      Foto: Reuters/ Rellandini

      Bode Miller, auch im Slalom in Überform.

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