Vorweihnachtswirbel in der Kärntner SPÖ

13. Dezember 2004, 19:03
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Landesgeschäftsführer Würschl nennt Parteivorstandsmitglieder Trunk und und Trannacher "Intrigantinnen" - Klage erwogen

Klagenfurt - Keine Spur von einem vorweihnachtlichen Frieden in der Kärntner SPÖ: Nach den Diskussionen um Parteichef Peter Ambrozy nach dessen schwachem Abschneiden auf dem Villacher Parteitag ist jetzt eine heftige Kontroverse zwischen Landesgeschäftsführer Herbert Würschl sowie Nationalratsabgeordneter Melitta Trunk und Landesfrauenvorsitzender Abgeordneter Sieglinde Trannacher ausgebrochen. Würschl hatte Trunk und Trannacher als "landesweit bekannte Intrigantinnen" bezeichnet, Trunk denkt an eine Klage.

"Landesweit bekannte Intrigantinnen"

Hintergrund des Wirbels war ein Artikel im STANDARD, in dem sich die Kärntner Korrespondentin mit der Rolle der SPÖ bei den Subventionskürzungen für das Stadttheater Klagenfurt auseinander setzte. Das erboste Landesgeschäftsführer Würschl dermaßen, dass er an die Journalistin ein E-Mail folgenden Inhalts sandte: "Wann werden Sie endlich ihre persönlichen Befindlichkeiten und ihren Frust gegenüber der Zusammenarbeit von FPÖ und SPÖ durch eine korrekte und objektive Berichterstattung ersetzen? Wenn Sie permanent Melitta Trunk und Sieglinde Trannacher gegen den SP-Vorsitzenden zitieren, handelt es sich bei den beiden nicht, wie Sie heute schreiben, um die 'SPÖ-Basis', sondern um landesweit bekannte Intrigantinnen in unseren eigenen Reihen."

"Üble Nachrede"

Trunk, Fraktionschefin der Kärntner SPÖ-Abgeordneten im Parlament, sieht in diesen Worten den Tatbestand der "üblen Nachrede" gegeben. Daraus würde sich auch ein parteischädigendes Verhalten ergeben. Sie forderte deshalb schriftlich alle Mitglieder des Landesparteipräsidiums und des Parteivorstandes auf, "dieses gesamtparteischädigende Verhalten des Landesgeschäftsführers der SPÖ Kärnten unverzüglich zu behandeln und allfällige Konsequenzen zu ziehen".

Würschl wurde deshalb am Montag vom Landesparteipräsidium aufgefordert, sich bei Trunk und Tranacher zu entschuldigen. Er kam diesem Ansinnen - überraschenderweise - aber nicht sofort nach, sondern wollte sich die Sache 24 Stunden überlegen und am Dienstag dazu Stellung nehmen.

Ambrozy: "Nicht die amme oder Glucke" von Würschl

Ambrozy sprach von einer persönlichen Verantwortung Würschls und wollte die Causa vor Journalisten nicht weiter kommentieren, denn er sei nicht "die Amme oder Glucke" des Landesgeschäftsführers. Die Kontroverse zwischen Trunk und Trannacher sowie Würschl sieht der Parteichef in einem "persönlichen Beziehungsgeflecht" gegeben. Die Partei selbst hätte "keinen Fehler gemacht".

Trunk hatte am Wochenende in ihren Schreiben an die Mitglieder des Landesparteipräsidiums und des Parteivorstandes erklärt, dass sie die vom Landesgeschäftsführer "öffentlich und nachweislich betriebene Rufschädigung und Diffamierung" ihrer Person nicht hinnehmen könne. Sie behalte sich daher bis zur Klärung der Situation durch die Parteigremien weitere Schritte vor. (APA)

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