Erster Prozess gegen YLine-Gründer Werner Böhm

20. Dezember 2004, 10:34
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Vorerst geht es um den Vorwurf der Vollstreckungsvereitelung - Strafrahmen: Bis zu drei Jahre Haft - Betrugsverfahren könnte 2005 folgen

Einem ersten Strafprozess musste sich am Montag im Wiener Straflandesgericht Werner Böhm (40), Gründer der 2001 mit einigem Getöse pleite gegangenen und mit angemeldeten Forderungen von 52 Mio. Euro konfrontierten Internet-Firma YLine, stellen. Dabei ging es allerdings noch nicht um den im Raum stehenden Vorwurf des Betrugs, der Untreue und des Insiderhandels: Die Staatsanwaltschaft Wien hat die in diesem Zusammenhang laufenden Erhebungen gegen knapp zwei Dutzend Personen aus dem Umfeld des YLine-Vorstands, des Aufsichtsrats und der Wirtschaftsprüfung des Unternehmens noch nicht abgeschlossen.

Strafrahmen: Bis zu drei Jahre Haft

Vorerst wird Böhm wegen Vollstreckungsvereitelung - Strafrahmen: Bis zu drei Jahre Haft - der Prozess gemacht: Der Unternehmer soll am 7. Dezember 2000 die Überweisung von knapp 55.300 Euro von seinem P.S.K.-Konto auf eines seiner Ehefrau veranlasst haben, nachdem ihm wenige Stunden zuvor per RsB-Schreiben eine Exekutionsbewilligung auf eben dieses Konto zugestellt worden war. Dadurch, so zumindest die Überzeugung der Anklagebehörde, wollte er die Befriedigung des die Zwangsvollstreckung betreibenden Gläubigers verhindern.

Klar

Böhm wies diese wie sämtliche gegen ihn geäußerten Anschuldigungen aufs Entschiedenste zurück. Ihm sei damals gar nicht klar gewesen, dass gegen ihn eine Exekution im Laufen war. Er sei im fraglichen Zeitraum in New York gewesen, um Finanzierungsfragen zu klären. Per Telefax oder Online-Banking eine Überweisung in die Wege geleitet zu haben, sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht möglich", gab er zu Protokoll.

"Schlechte" Optik

Auf Befragen von Richter Johannes Jilke räumte Böhm zwar ein, die Optik sei "denkbar schlecht", er habe das Einschreiben jedoch erst nach seiner Rückkehr am 11. Dezember geöffnet. Verteidiger Johannes Schmidt betonte, Böhm habe damals bei der P.S.K. ein Wertpapierdepot von rund 330.000 Euro besessen: "Er hat es nicht nötig gehabt, etwas beiseite zu schaffen!"

Fest steht, dass Böhms Ehefrau mit dem Geld später ein Auto bezahlt und Aktien erworben hat. Wie und vor allem wann genau sie in den Besitz der Summe gelangt war, vermochte sie im Zeugenstand nicht anzugeben.

Vertagt

Die Verhandlung wurde zur Klärung der Angaben des Beschuldigten auf unbestimmte Zeit vertagt. Es ist durchaus möglich, dass beim nächsten Termin bereits feststeht, ob Böhm und ein Teil der ehemaligen YLine-Manager bzw. -Mitarbeiter auch in Bezug auf die YLine-Pleite vor Gericht gestellt werden. Geprüft wird der Verdacht auf Konkursverschleppung, fahrlässige Krida, Bilanzfälschung, schweren Betrug und Untreue.

"Dann muss das einige Kilogramm schwere Konvolut einmal in aller Ruhe gelesen und studiert werden."

"Die Verdächtigen sind inzwischen alle einvernommen worden. Ausständig ist jetzt nur mehr das Gutachten des Buchsachverständigen, das aber in den letzten Zügen liegen soll", meinte der zuständige Staatsanwalt Georg Krakow im Gespräch mit der APA zum aktuellen Verfahrenstand. Zu Jahresbeginn sei mit dem Eintreffen der Expertise zu rechnen: "Dann muss das einige Kilogramm schwere Konvolut einmal in aller Ruhe gelesen und studiert werden." Sollten sich nicht weitere Erhebungen als nötig erweisen, könnte danach die Entscheidung fallen, ob und gegen wen Anklage erhoben wird.

Furore

Der frühere IBM- bzw. CA-Mitarbeiter Böhm hatte Ende der neunziger Jahre mit seiner IT- und Provider-Firma für Furore gesorgt. 30.000 IBM-PC wurden unter die Leute gebracht. Im Sommer 2000 ging YLine in Brüssel an die Börse. Danach platzte ein Deal mit der Firma Beko. Im Juli 2001 eskalierte die "Zahlungs-Auseinandersetzung" mit IBM. Zwei Monate später musste Böhm schließlich Konkurs beantragen. IBM hat zuletzt auf seinen Forderungen beharrt. Ein Zwangsausgleich war deshalb trotz intensiver Bemühungen Böhms im März dieses Jahres gescheitert. (APA)

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