Heine-Preis für "politischen Wachhund"

28. Dezember 2004, 12:56
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Jury: Schriftsteller und Karikaturist Robert Gernhardt steht als kritischer Beobachter der "deutschen Zustände" in der Nachfolge Heines

Düsseldorf - Der deutsche Schriftsteller und Karikaturist Robert Gernhardt hat am Montag den mit 25.000 Euro dotierten Heine-Preis der Stadt Düsseldorf erhalten. Als kritischer Beobachter der "deutschen Zustände" stehe Gernhardt in der Nachfolge Heines, begründete die Jury die angesehene Auszeichnung für Gernhardt, der zu den Stars der Satire-Zeitschriften "Pardon" und "Titanic" gehört hat. Zuletzt wurde 2002 die diesjährige Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek mit dem Heine-Preis geehrt.

Gibt "alles Hohle, alles Vordergründige der Lächerlichkeit preis"

Mittlerweile genießt der in Frankfurt lebende Autor, der 1937 in Estland geboren wurde, auch als Lyriker und Romanautor einen literarischen Ruf. In seinem schriftstellerischen Werk, mit dem er sich für ein demokratisches Miteinander einsetze, gebe Gernhardt "alles Hohle, alles Vordergründige der Lächerlichkeit preis", hieß es als Preisbegründung.

Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) nannte die seit 1972 am Geburtstag Heinrich Heines (1797-1856) überreichte Auszeichnung einen Dank "für jene schriftstellerischen Leistungen, die Einsicht in die verzwicktesten Lebensverhältnisse, die Unabhängigkeit von Vorurteilen und das Lachen über sich selbst und andere fördern".

"Politischer Wachhund"

Wie der Literaturkritiker Michael Maar in seiner Laudatio sagte, haben Gernhardt und Heine nicht nur den 13. Dezember als Geburtstag gemeinsam, sondern auch eine breite Palette literarischer Ausdrucksformen; beide seien zudem "politische Wachhunde" von Rang. Gernhardt widmete sich in seiner Ansprache der Darstellung von Krankheit und Leid in der Dichtung.

Zu den Trägern des alle zwei Jahre vergebenen Heine-Preises der Stadt Düsseldorf gehören Carl Zuckmayer, Walter Jens, Günter Kunert, Max Frisch und Hans Magnus Enzensberger. Mit der Auszeichnung für Persönlichkeiten, die im Sinne Heines den politischen Fortschritt fördern, war 2002 zuletzt Jelinek geehrt worden. (APA/dpa)

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