"Arm, elend", aber nicht "dumm"

13. Dezember 2004, 10:55
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Schule funktioniert in Dänemark wesentlich anders als in Österreich. Das Abschneiden bei Pisa war dennoch mäßig

"Arm und elend sind wir. Wenn wir jetzt auch noch dumm werden, können wir aufhören, ein Staat zu sein." Mit diesen Worten verteidigte der dänische König, Christian VIII., im Jahr 1813 die Erhöhung der staatlichen Bildungsausgaben, die er trotz des Bankrotts durch den Krieg mit England beschlossen hatte.

Und Bildung zählt auch im 21. Jahrhundert viel im Staate Dänemark. Die ernüchternden Ergebnisse von Pisa 2000 ermunterten die Regierung, etwas zu unternehmen. Schließlich hat man trotz eines der teuersten Schulsysteme weltweit unterdurchschnittlich gut abgeschnitten: Platz zwölf bei Mathematik, Platz 16 im Bereich Lesen und nur Platz 26 bei den Naturwissenschaften.

In "Denmark - Lessons from Pisa 2000" hat ein OECD-Expertenteam das dänische Schulsystem im Jahr 2003 unter die Lupe genommen und Erklärungen sowie Lösungsansätze in die Studie integriert. Vorgeschlagen wird etwa eine jährliche Überprüfung der Schülerleistungen durch einen "nationalen Schnappschuss" der Performance einer bestimmten Alterskohorte. Auch die "Möglichkeiten für bilinguale Schüler" und jene mit "speziellen Bedürfnissen" waren Teil der Studie: Das Bildungsministerium sollte nach Expertenansicht den Einsatz von Muttersprachenunterricht dringend evaluieren.

Wie funktioniert das dänische Schulsystem? Im Vergleich zum österreichischen Modell weist es gleich mehrere Besonderheiten auf: So gibt es in Dänemark etwa keine Schulpflicht, sondern "Unterrichtspflicht". Kinder im Schulalter müssen also nicht zwingend an einer staatlich anerkannten Institution ausgebildet werden. Viele Eltern schicken ihre Kinder auf freie Schulen - nach dem liberalen Gesetz von 1977 ist ihre Anteil auf 14 Prozent gestiegen. Wenn eine freie Schule mindestens sieben Schüler hat, übernimmt der Staat 85 Prozent der Kosten.

Was in Österreich seit Jahrzehnten diskutiert wird, ist längst dänische Realität: Die Gesamtschule für alle Sieben- bis Sechzehnjährigen, genannt "Folkeskole" (wenn öffentlich), oder "Friskole" (wenn privat). Das dänische Gesamtschulmodell ist weit gehend undifferenziert, erst ab der achten Klasse werden in einzelnen Fächern Leistungskurse eingerichtet.

7 Jahre keine Noten

Bis zur neunten Schulstufe ist der Unterricht obligatorisch. Anders als in Österreich bekommen dänische Schulkinder aber erst nach der siebenten Klasse Noten. Diese variieren von "00" in Zweierschritten bis "13", wobei "13" für ausgezeichnete Leistungen steht.

Vor der Beurteilung mittels Notensystem gibt es keine allgemeine Abschlussprüfung. Prüfungen können in einzelnen Fächern abgelegt werden - die Schüler entscheiden darüber autonom. Nach Abschluss der "Folkeskole" werden auch in Dänemark Gymnasium oder berufsbildende Schulen besucht. (kmo, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 13.12.2004)

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