Neun Jahre Haft für Berlusconi-Intimus

13. Dezember 2004, 15:06
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Schatten der Mafia auf Berlusconis Imperium Intimus des Premiers: Marcello Dell'Utri verurteilt

Die Genugtuung des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi über seinen Freispruch in Mailand währte nur 15 Stunden. Dann verdarb ihm eine Nachricht aus Palermo die Laune. Dort hatte ein Gericht gerade den Forza Italia-Senator Marcello Dell'Utri wegen seiner Beziehungen zur Mafia zu neun Jahren Haft verurteilt. Dell'Utri ist kein gewöhnlicher Angeklagter. Sein Leben ist privat, politisch und geschäftlich eng mit dem seines Freundes und Mentors Berlusconi verflochten.

Der 63-jährige Sizilianer begann seine Laufbahn vor 30 Jahren in Berlusconis Baufirma Edilnord und machte anschließend dessen Agentur Publitalia zum größten Werbeunternehmen Italiens. Er war der geistige Vater und Gründer von Forza Italia und leitete 1994 den erfolgreichen Wahlkampf Berlusconis.

Vor zwei Wochen hatte ihn Berlusconi zum Vizepräsidenten von Forza Italia ernannt und mit der Organisation des nächsten Wahlkampfs betraut. Das Urteil wirft neue Schatten auf das undurchsichtige Firmengeflecht, das der Nährboden für Berlusconis Medienimperium und Anlass für zahlreiche Prozesse war. Nach Überzeugung des Gerichts hat die Mafia über ihren Mittelsmann Dell'Utri beträchtliche Gelder an Berlusconis Holding Fininvest bezahlt und war am Aufbau von dessen Sendenetz in Sizilien beteiligt.

Dell'Utri kündigte Einspruch gegen das Urteil an. Sein vom Gericht verfügter Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern auf Lebenszeit ist noch nicht rechtskräftig. Berlusconi, der vor dem Urteil erklärt hatte, er lege für seinen Freund "beide Hände ins Feuer", wollte das Urteil nicht öffentlich kommentieren.

"Politik ohne Moral"

Der Premier ließ sich am Samstag auf dem "No tax day" seiner Partei in Venedig von 3000 Forza-Italia-Anhängern feiern. Die bereits vorbereiteten "Forza Marcello"-Transparente blieben eingerollt. Berlusconis Gegenspieler Romano Prodi beschränkte sich auf einer Großveranstaltung des oppositionellen Ulivo-Bündnisses in Mailand darauf, der Regierung "Politik ohne Moral" vorzuwerfen. Forza-Italia-Sprecher Sandro Bondi sprach von einem "eklatanten Justizirrtum". (DER STANDARD, Printausgabe, 13.12.2004)

Von Gerhard Mumelter aus Rom
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