Dela Dap: "Cigani Ruzsa + Angelo"

4. Oktober 2005, 12:04
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Fein abgestimmtes Katerfrühstück für den Morgen nach der Russendisko

Man nehme: einen Esslöffel Gotan Project, eine winzige Prise Bukovina Club, hundert Gramm Melancholie und zwei Fingerhüte rasende Pferde. Sofort servieren oder dreißig Mal aufwärmen, schmecken tut es immer gut und bekömmlich ist es auch.

Schmerzmittel für Kopf und Fuß

Jungköche der Woche sind diesmal Dela Dap. Die Formation mit Mittelpunkt in Wien und Wurzeln in den Romakulturen Mitteleuropas hat mit „Cigani Ruzsa + Angelo“ („Zigeuner, Rosen und Engel“) ein Stück Medizin für all jene geschaffen, denen herkömmliche Loungemusik schon müde Füße und Balkan-Brass Migräne verschafft haben. Die allesamt in Romanes gesungenen Stücke lassen sich unglaublich oft anhören, sie kippen weder in Ethno-Romantik noch in kühle, mit Roma-Zitaten versetzte Elektronik ab.

Alles bleibt im Vordergrund

Es ist, was Dela Dap selbst „Nu Roma“ nennen: Typische Gipsy-Melodien wurden mit spannenden Beats, Roma-Rhythmen mit Funk versponnen. Die Arrangements sind so angelegt, dass nichts dominiert, um alles in den Vordergrund treten zu lassen: Gitarre, Geige, Akkordeon, dazu die helle, aber nicht glockige, schön bewegliche und leicht rauchige Stimme der Sängerin Melinda Stoika – nichts drängt sich auf. Stoikas Vater, der angesehene ungarische Jazzpianist Tibor Barkoczy (früher Komponist und Arrangeur für Louie Austen) wurde von Produzent und Gründer Stani Vana als Pianist und Arrangeur engagiert. Vana selbst hatte eine Weltreise durch Punk, Elektronik, Jazz und indische Samples zurückgelegt, bevor er sich auf das Nu Roma-Experiment einließ.

Das Ergebnis ist eine Stunde Musik, die das Ohr schon beim ersten Mal kitzelt, ohne zu viel zu verraten. Für ein garantiert wohltuendes Hörerlebnis am Morgen nach der Balkandisco. (mas)

Dela Dap:
"Cigani Ruzsa + Angelo"
(ecco.chamber 2004)

deladap.com

eccochamber.com

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    foto: dela dap
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