Internationale Fonds wollen Wien

22. Februar 2005, 20:17
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Geringes Risiko und viel größere Aussichten auf Wachstum als in Westeuropa machen die Wiener Börse für immer mehr internationale Investoren zum Sprungbrett in den Osten

"Österreichische Aktien sind die Einstiegsdroge für Osteuropa", erklärt Philipp Vorndran, Stratege bei Credit Suisse Asset Management in Frankfurt. Viele Fondsmanager hätten trotz EU-Erweiterung noch Angst vor dem politischen Risiko im Osten und würden deshalb lieber über österreichische Unternehmen wie die Erste Bank, OMV oder Wienerberger von den Wachstumschancen in Osteuropa profitieren. Immerhin machen zwei Drittel der im ATX gelisteten Unternehmen einen großen Teil ihres Umsatzes in den östlichen Nachbarländern in denen die Wirtschaft derzeit doppelt so schnell wächst wie in der EU. "Europas größtes Problem ist das Wachstum", sagt dazu David Dudding, Fondsmanager des Threadneedle European Smaller Companies Growth Fund in London, der seit 2001 einen Wertzuwachs von 47 Prozent zeigt. "Österreichische Aktien bieten Zugang zur einzigen Region Europas, wo es starkes Wachstum gibt."

Privatisierungswelle als "Dornröschenkuss"

Allein in den letzten zwei Jahren hat sich nicht nur der Anteil der internationalen Handelsumsätze an der Wiener Börse auf fast 40 Prozent verdoppelt, sondern auch die Marktkapitalisierung des ATX, sie steht derzeit bei 60 Mrd. Euro. Gleichzeitig verdreifachten sich die monatlichen Handelsumsätze. Mangelnde Liquidität an der Wiener Börse hatten internationale Investoren bisher abgeschreckt, in österreichische Aktien zu investieren. "Der Dornröschenkuss" waren die Privatisierungswelle und Pensionsreform der österreichischen Regierung, so Thomas Angermann, der bei UBS Global Asset Management in Zürich die UBS Small Caps und UBS Mid Caps Europe Fonds verwaltet und OMV-Aktien hält. "Die Osteuropafantasie war der zweite Schritt."

Seit 2000 hat der ATX mit seiner Performance alle anderen europäischen Börsen in den Schatten gestellt, allein heuer gewann er 51 Prozent. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 seien die österreichischen Aktien zwar schon gut bewertet, "aber im Vergleich mit anderen europäischen Aktien sind sie noch attraktiv, weil sie ein viel stärkeres Wachstumspotenzial haben", so Angermann. Österreich sei in seinem Fonds übergewichtet. Im Schnitt haben die im ATX notierten Unternehmen trotz Wirtschaftsflaute zwischen 2001 und 2003 einen Nettogewinnzuwachs von fast 88 Prozent erwirtschaftet, errechnete unlängst die Österreichische Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP). Den stärksten Zuwachs zeigten die drei Vorreiter im Osten: Erste Bank, gefolgt von Bank Austria Creditanstalt und OMV.

Noch wenig Vertrauen in den Osten

Direkt in osteuropäische Aktien investieren wollen viele internationale Investoren noch nicht. "Ich habe noch wenig Vertrauen in die osteuropäischen Unternehmen", sagt Stephen Alder von Henderson Gobal Investors in London, der mit dem Horizon Pan European Smaller Companies Fund im letzten Jahr eine Performance von rund 30 Prozent erzielt hat. "Ich habe keine historische Vergleichsbasis, kenne das Management und die finanzielle Struktur der Unternehmen nicht, da investiere ich lieber in bewährte Firmen wie Wienerberger, die auch in Osteuropa wachsen."

Auch in den kommenden Monaten bleibt Österreich auf dem Radarschirm der internationalen Investoren. Besonders Übernahmefantasien locken, spekuliert der Stratege Vorndran und hält ein waches Auge auf die Telekom Austria. (Nadja Hahn, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2004)

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