Israel als Hoffnungsmarkt

22. Dezember 2004, 11:35
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Chancen für österreichische Betriebe im Infrastrukturbereich - Red Bull-Exporte machen wertmäßig bereits fast zehn Prozent des Gesamtexports aus

Wien - Werbung für Investitionen in Israel hat Österreichs Handelsdelegierter in Tel Aviv, Franz Bachleitner, bei seinem jüngsten Besuch in Wien gemacht. Auf Einladung der Österreichisch-Israelischen Handelskammer (AICC) sprach Bachleitner vor österreichischen Unternehmensvertretern von enormen Chancen für Betriebe aus dem Infrastrukturbereich - Bahn, Straße, Energie oder Wasserwirtschaft.

Der Präsident der AICC, der Wiener Rechtsanwalt Gabriel Lansky, sagte, Israel werde allein in den Eisenbahnausbau bis zum Jahr 2008 rund 3,5 Mrd. Euro investieren. Nach Anschlägen in der Türkei sei Österreich nicht zuletzt auch für israelische Touristen wieder sehr interessant, ergänzte Bachleitner: "Man sucht ein ruhiges Platzerl."

Die österreichischen Exporte nach Israel seien heuer auf geschätzte 145 Mio. Euro kräftig angestiegen und liegen damit wieder über dem Niveau des Jahres 2000. Die Wende in Österreich habe zeitweilig die politischen Beziehungen zu Israel enorm belastet, weniger die wirtschaftlichen. Viel entscheidender sei unter ökonomischen Gesichtspunkten das Platzen der New-Economy-Blase für das Hightechland Israel gewesen.

Steigende Exporte

Israels Exporte nach Österreich stiegen heuer ebenfalls zweistellig auf knapp unter 100 Mio. Euro. Zum fast schon traditionellen Handelsbilanzüberschuss Österreichs tragen aber Sonderfaktoren bei. So zählen viele Importe aus Israel nicht als solche, weil die Warenlieferungen zuerst nach Deutschland gehen und von dort weiterverkauft werden. In der umgekehrten Richtung machen die heimischen Ausfuhren des Energydrinks Red Bull nach Israel wertmäßig bereits fast zehn Prozent des Gesamtexports aus.

Zu den bekanntesten österreichischen Unternehmen, die in Israel aktiv sind, zählen der Papierhersteller Neusiedler (er wurde vor Kurzem in Mondi Business Paper umbenannt), Schalungsplatten-Hersteller Doka, der Bahninfrastruktur-Anbieter Plasser & Theurer, der Beschlägespezialist Blum und Seilbahnprofi Doppelmayr. Für den bilateralen Kontakt wichtig ist auch die AUA, die seit 41 Jahren Flugverbindungen zwischen Israel und Österreich unterhält. Österreichs Banken haben in Israel bisher allerdings nur Repräsentanzbüros eröffnet, eigene Niederlassungen haben sie noch keine.

110 Forschungskooperationen

Sehr gut gelaufen seien die mehr als 110 Forschungskooperationen mit israelischen Einrichtungen im 5. EU-Rahmenprogramm, sagte Bachleitner. Dieser Bereich gehöre aber weiter ausgebaut, insbesondere da Österreich hier gegenüber dem Hightechland Israel den "Junior-Partner" spiele. "Man darf hier nicht sparen, das müssen wir auch unseren Politikern klar machen", forderte der Handelsdelegierte. (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.12.2004)

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