Nordkorea fordert Erklärung südkoreanischer Atomversuche

14. Dezember 2004, 11:57
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Wahrheit über "kriminelle Nuklearaktivitäten" gefordert - Pjöngjang droht indirekt mit Boykott der Atomgespräche

Seoul - Nordkorea hat am Montag seine weitere Teilnahme an Gesprächen über seine Atompläne in Frage gestellt. In einer englischsprachigen Mitteilung des Außenministeriums wurden Vorwürfe gegen die USA formuliert. Diese hätten eine psychologische Kampagne gestartet, um die Menschen von einer Krise in Nordkorea zu überzeugen. So sei etwa die Rede von Massenüberläufen nordkoreanischer Generäle nach China. "In dieser Situation ist die Demokratische Volksrepublik Korea gezwungen, ihre Teilnahme an den Gesprächen mit den USA ... zu überdenken", hieß es in der am Montag von der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Mitteilung.

Obwohl die Wortwahl wie üblich zweideutig ausfiel, bezogen sich die Äußerungen offenbar auf die Sechs-Parteien-Gespräche, an denen Nord- und Südkorea, China, Japan, Russland und die USA teilnehmen. Die fünf Gesprächspartner Nordkoreas wollen das Land vom Streben nach Atomwaffen abbringen und bieten dafür Hilfen und Sicherheitsgarantien an. Mit der jüngsten Mitteilung erhalten Hoffnungen auf eine Beilegung des Atomstreits einen Dämpfer. Anfang Dezember hatte die Regierung in Pjöngjang angekündigt, erst wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren, wenn der wiedergewählte US-Präsident George W. Bush seine neue Regierungsmannschaft zusammengestellt und seine weitere Politik festgelegt habe.

Experten sehen in der Mitteilung nicht notwendigerweise die Ablehnung weiterer Atomgespräche durch Nordkorea. "Darin steckt die Botschaft, dass die USA der Frage der Menschenrechte in Nordkorea nicht das gleiche Gewicht einräumen sollten wie der Atomfrage", sagte Kim Sung Han vom Institut für Außenbeziehungen und Nationale Sicherheit in Seoul.

Kürzlich aufgekommenen Spekulationen über einen Machtwechsel oder eine politische Krise in Nordkorea trat das Außenministerium entgegen. Das System sei "stabil und standhaft wie ein Fels", hieß es. Die US-Regierung liege falsch, wenn sie glaube, den Zusammenbruch des Landes betreiben zu können.

Nordkorea will sein Atomprogramm so lange nicht einstellen, bis Südkorea eine eindeutige Erklärung für seine Versuche mit Nuklearmaterial geliefert hat. Außerdem werde Nordkorea nicht an einer Verbesserung der Beziehungen zur Regierung in Seoul arbeiten.

"Wenn die südkoreanischen Behörden wirklich daran interessiert sind, die gesamte koreanische Halbinsel von Atomwaffen zu befreien, und an einer friedlichen Vereinigung des Landes, dann sollten sie die Wahrheit über die kriminellen Nuklearaktivitäten sagen und die Aktivitäten zur Entwicklung von Atomwaffen stoppen", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Sonntag die amtliche Zeitung "Rodong Sinmun".

Hintergrund

Die USA werfen dem kommunistischen Nordkorea vor, ein illegales geheimes Atomwaffenprogramm zu betreiben. Der Atomstreit soll durch Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Vertretern beider koreanischer Staaten, der USA, Russlands, Chinas und Japans gelöst werden. Im September hatte Nordkorea sich jedoch geweigert, an den Gesprächen teilzunehmen.

IAEO-Rüge für Südkorea

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte Südkorea wegen nicht angemeldeter Experimente mit Uran und Plutonium gerügt. Das Land hatte im September eingeräumt, dass Wissenschaftler im Jahr 2000 eine kleine Menge Uran auf fast waffentaugliches Niveau angereichert hätten. Zudem gab das Land Experimente mit ebenfalls zum Atomwaffenbau geeignetem Plutonium zu.

Südkorea hofft dennoch auf eine Wiederbelebung des Dialogs zwischen beiden Staaten. Eine Gelegenheit dazu bietet sich, wenn die gemeinsame Wirtschaftszone beider koreanischer Staaten etwa zehn Kilometer nördlich der schwer bewachten Grenze am nächsten Mittwoch eröffnet wird. Seit dem Ende des Krieges von 1950 bis 1953 haben beide Länder keinen Friedensvertrag unterzeichnet.

Internationale Strategie im Kriegsfall

Für den Fall eines neuen Krieges auf der koreanischen Halbinsel haben die USA und Japan nach einer Meldung der japanischen Zeitung "Asahi Shimbun" eine gemeinsame Strategie entwickelt. Das darin beschriebene Szenario sehe die Unterstützung der in Korea kämpfenden US-Truppen durch Japan vor. Das japanische Militär habe sich bereit erklärt, bei der Suche und Rettung vermisster US-Soldaten zu helfen, die Schifffahrtswege mit Minenräumern freizuhalten und die 135 militärischen Ziele, wie US-Stützpunkte und die Atomkraftwerke, an der japanischen Nordwestküste zu sichern. (APA/Reuters)

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