75 Millionen Urlaubstage verfallen

22. Dezember 2004, 11:35
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Deutsche haben Angst vor Arbeitsplatzverlust und verzichten immer mehr auf ihren Urlaub

Hamburg - Die Deutschen nehmen immer weniger Urlaub und lassen gleichzeitig immer mehr Urlaubstage verfallen. Zu diesem Schluss kommt laut einem Bericht der "Bild am Sonntag" eine Studie des Wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der DGB-eigenen Hans-Böckler-Stiftung in Düsseldorf. Deutsche Arbeitnehmer verzichteten demnach in diesem Jahr im Schnitt auf 2,2 Urlaubstage. "Bei 34,1 Millionen Beschäftigen in Deutschland sind das 75,1 Millionen Urlaubstage", sagte WSI-Leiter Hartmut Seifert der Zeitung. Vor fünf Jahren seien es noch 66 Millionen Urlaubstage gewesen.

Hauptgrund für den freiwilligen Verzicht ist offenbar die Angst der Menschen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. "Die Befragung der Betriebsräte hat deutlich gezeigt, daß der Leistungsdruck zugenommen hat", sagte Seifert. "Je höher die Stellung im Betrieb, desto mehr Urlaubstage verfallen. Und die Personalressourcen in den Betrieben sind dünn geworden. Wenn jemand krank ist oder Urlaub hat, müssen die anderen die Arbeit mitmachen - und auf Urlaub verzichten oder Überstunden leisten."

Arbeitgeber sparen Geld

Durch den Verzicht auf Urlaubstage sparten Arbeitgeber viel Geld, berichtet die "BamS" weiter. "Zählt man den Urlaub mit, kommt man auf 250 bezahlte Tage pro Jahr. Somit kostet ein Tag 0,4 Prozent des Jahresgehalts", zitiert die Zeitung den Direktor am Institut zur Zukunft der Arbeit, Hilmar Schneider. Nach seinen Angaben liegt das Durchschnittsgehalt bei knapp 30000 Euro im Jahr, demnach kostet jeder Tag den Arbeitgeber 120 Euro brutto. Auf die Gesamtzahl an verfallenen Urlaubstagen gerechnet ergebe das die Summe von neun Milliarden Euro.

Auch die Konjunktur profitiert laut Experten von der freiwilligen Mehrarbeit. "Unsere Produktivität ist größer als wir glauben und erklärt, warum Deutschland noch so leistungsfähig ist", sagte der Forschungsdirektor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner. "Sie hilft, Arbeitsplätze zu erhalten, weil das Wirtschaftswachstum gestärkt wird." (APA)

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