Menschenrechtspreis für bekritzeltes Stück Toilettenpapier

13. Dezember 2004, 12:39
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Inhaftierter Bolivianer hatte 1972 darauf Haftprüfungsantrag verfasst

Madrid - Für seinen trickreichen Umgang mit einem Stück Toilettenpapier ist ein Bolivianer am Freitag mit dem Menschenrechtspreis der spanischen Anwaltskammer ausgezeichnet worden. Mit Hilfe einer auf den Papierfetzen geschriebenen Botschaft war der politische Häftling vor 32 Jahren dem Gefängnis entkommen.

Der bolivianische Anwalt Reynaldo Peters wurde 1972 unter dem Regime des Militärmachthabers Hugo Banzer wegen seiner Mitgliedschaft in einer Oppositionspartei ohne Verfahren inhaftiert. In seiner Zelle gelang es ihm, einen ausgetrockneten Kugelschreiber durch Erhitzen der Tinte mit einer Kerze wieder funktionstüchtig zu machen. Er griff dann zu dem einzigen Papier, das ihm zur Verfügung stand - eben dem Toilettenpapier - und verfasste einen Antrag auf Haftprüfung, den seine Frau mit seiner schmutzigen Wäsche aus dem Gefängnis schmuggelte.

Das Schreiben wurde von mehreren Zeitungen abgedruckt, woraufhin sich das Rote Kreuz und internationale Menschenrechtsorganisationen des Falles annahmen und die Freilassung von Peters erwirkten. Der Anwalt, der inzwischen in mehreren Regierungen Boliviens als Minister diente, sagte bei der Preisverleihung in Madrid, das betreffende Toilettenpapier habe er bis heute aufgehoben. (APA/AP)

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