Juschtschenko wurde vergiftet

14. Dezember 2004, 09:48
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Ärzte in Wien: Untersuchungen ergaben mindestens das Tausendfache der normalen Dioxin-Konzentration - "Verdacht auf Fremdverschulden"

Wien - Der ukrainische Oppositionspolitiker Viktor Juschtschenko ist nach Angaben seiner behandelnden Ärzte vergiftet worden. Dies ergaben die medizinischen Untersuchungen, denen sich Juschtschenko im Wiener Privatspital Rudolfinerhaus unterzogen hat. Die Ärzte Michael Zimpfer und Nikolai Korpan erklärten am Samstag vor der Presse, sie hätten bei Juschtschenko eine Dioxinvergiftung festgestellt.

"Verdacht auf Fremdverschulden"

"Wir haben unsere Untersuchungen in den letzten 24 Stunden größtenteils abgeschlossen und es besteht für uns kein Zweifel - insbesondere nach den Blutuntersuchungen -, dass eine Vergiftung mit Dioxin vorliegt", erklärte Michael Zimpfer, Präsident des Wiener Rudolfinerhauses, Samstag Nachmittag auf einer Pressekonferenz über den Krankheitsfall des ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko.

"Wir schließen ab mit der Zusatzdiagnose 'Verdacht auf Fremdverschulden'", sagte Zimpfer weiter. Eine weitere Abklärung obliege den zuständigen Behörden. In Blut und Gewebe des Patienten habe man mindestens das Tausendfache der normalen Konzentration gefunden. "Das entspricht einer Dosierung im Milligramm-Bereich bzw. im unteren Gramm-Bereich und ist sehr leicht z.B. in eine Schlagoberssuppe zu verpacken." Auf Grund der Schäden im Verdauungstrakt gehe man von einer Einnahme über den Mund aus. "Ob er das gegessen oder getrunken hat, ist nicht herauszuarbeiten und macht auch keinen Unterschied", so Zimpfer weiter.

Auch andere Gifte möglich

"Wir wissen nicht mit letzter Sicherheit, ob eine Monovergiftung oder eine Kombination von Giften vorliegt. Es kann leicht sein, dass wir nur das Dioxin gefunden haben, das sehr lange im Körper verbleibt", erklärte der Arzt außerdem. Er bestätigte, dass die Dosis hätte tödlich sein können, wäre sie etwas höher gewesen.

Die Ärzte betonten weiter, Juschtschenkos Zustand habe sich in der vergangenen Zeit sehr verbessert. Er werde zwar noch weiterer Behandlung bedürfen, allerdings sei dazu kein Spitalsaufenthalt notwendig. Zimpfer sagte, Juschtschenko könne am morgigen Sonntag oder am Montag in die Ukraine zurückkehren.

Spekulationen um Vergiftung bereits seit längerem

Über eine mögliche Vergiftung des ukrainischen Präsidentschaftskandidaten, der gegen den Russland-treuen früheren Premier Viktor Janukowitsch im Rennen um das höchste Amt im Staat angetreten war, wurde seit längerem spekuliert. Juschtschenkos Gesicht ist von Narben entstellt, was eine mögliche Chlorakne vermuten ließ. Die umstrittene Stichwahl von vor drei Wochen soll am 26. Dezember wiederholt werden. (APA)

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    Nun konnten die Wiener Ärzte die Vermutungen bestätigen: Juschtschenko wurde mit Dioxin vergiftet.

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