Neun Jahre Haft für Berlusconis Vertrauten

12. Dezember 2004, 20:29
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Dell'Utri, Nummer Zwei der Forza Italia wegen Mafia-Verbindungen verurteilt - "Botschafter der Cosa Nostra"

Rom - Marcello Dell'Utri, stellvertretender Vorsitzender der Forza Italia, der Partei des italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi, ist am Samstag von einem Gericht in Palermo wegen Mafia-Verstrickungen zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Er wird auch keine öffentliche Ämter mehr bekleiden können. Der zweite Angeklagte im Prozess, Gaetano Cina, wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde am Ende einer zwölftägigen Beratung der Richter bekannt gegeben.

Die Staatsanwälte in Palermo warfen dem 63-jährigen Dell'Utri vor, in den achtziger Jahren und bis 1994 Verbindungen zur sizilianischen Mafia gepflegt zu haben. Sie hatten deswegen elf Jahre Haft für den Politiker gefordert. Die Richter betonten, dass Dell'Utri - er ist seit 1994 Parlamentarier der Forza Italia - der Mafia Schmiergelder gezahlt habe.

"Botschafter der Cosa Nostra"

Die Staatsanwaltschaft von Palermo, die seit acht Jahren gegen Dell'Utri ermitteln, sahen die "Nummer zwei" der Forza Italia als "Garanten der Mafia-Interessen in Berlusconis Holding Fininvest". Über 30 Jahre lang, ab den siebziger Jahern, sei Dell'Utri im Dienst der Mafia gestanden. "Er war ein Botschafter der Cosa Nostra", betonten die Ermittler. Sie bestritten, dass sie mit den Ermittlungen gegen Dell'Utri eigentlich den italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi verfolgen wollten.

Die Justizbehörden vermuten, dass Dell'Utri, seit 1994 Parlamentarier der Forza Italia, der Mafia Schmiergelder gezahlt hatte. Dank der Schwarzsummen habe sich die von Berlusconi kontrollierte Mediengesellschaft Fininvest die Ausbreitung ihrer Geschäfte auf Sizilien garantiert. Belastet wurde der einflussreiche Mitarbeiter Berlusconis auch durch die Aussagen von 22 Kronzeugen. Dell'Utri hatte sich stets als Opfer einer politischen Verfolgungskampagne bezeichnet.

Dell'Utris Verteidiger Enzo Trantino zeigte sich wegen der Verurteilung seines Mandanten zutiefst enttäuscht. Dell'Utri sei auf Grund der Aussagen unglaubwürdiger Zeugen verurteilt worden. Er kündigte Einspruch gegen das Urteil an.

Der Politiker war Ende April von einem Mailänder Gericht wegen eines Erpressungsversuchs zu zwei Jahren Haft und zur Zahlung einer Entschädigung von 15.000 Euro verurteilt worden. Laut den Richtern hatte Dell'Utri im Jahr 1992 als Chef von Berlusconis Werbefirma Publitalia mit Unternehmern ein Sponsor-Abkommen für ein sizilianisches Basketballteam im Wert von 550.000 Euro abgeschlossen. Er hatte jedoch die Hälfte der Summe schwarz als steuerfreies "Honorar" verlangt.

Der ehemalige Geschäftsführer der "Publitalia" war 1996 von einem Gericht in Turin bereits zu drei Jahren Haft wegen Steuerbetrugs und Urkundenfälschung verurteilt worden. Der aus Sizilien stammende Dell'Utri war im Mai 1995 in Untersuchungshaft genommen worden, da er angeblich Unterlagen gefälscht und Beweismaterial vernichtet hat.

Die Schwierigkeiten mit der Justiz haben Dell'Utris Karriere aber nicht gebremst. Vor zehn Tagen rückte er zur Nummer zwei der Forza Italia, Italiens stärkster Regierungspartei, auf. Dell'Utri, seit mehr als 20 Jahren Vertrauensmann Berlusconis, wurde zum Vizevorsitzenden der Gruppierung ernannt. Er soll nun eine Strategie für die Regionalwahlen im kommenden Frühjahr entwerfen und der Partei neuen Schwung verleihen, nachdem diese im vergangenen Jahr starke Einbußen in der Popularität hinnehmen musste. (APA)

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    Marcello Dell'Utri wurde zu neun Jahren Haft verurteilt

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