Wie der Wein wächst

31. Oktober 2005, 10:29
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Das Potenzial des Leithagebirges - Birgit Braunstein aus Purbach ist Teil der erfreulichen Entwicklung dieser Region

"Ich hab dann erkannt, dass ich selbst etwas produzieren möchte", erzählt Birgit Braunstein "und nicht für jemanden anderen Konzepte schreiben." Daher wurde sie nicht wie ursprünglich geplant nach ihrem Wirtschaftsstudium Unternehmensberaterin, sondern übernahm "den Weinbaupart" des Braunsteinschen Familienbetriebes (Gastronomie und Wein), für den sie sich immer schon sehr interessiert hatte. Wobei es sich natürlich gut traf, dass Bruder Paul ohnehin mehr der Gastronomie zugeneigt war, die eigentlich von den Eltern aus für sie gedacht war.

Braunstein bewirtschaftet 20 Hektar Rebflächen an der Ostseite des Leithagebirges, einer Region, die in jüngster Zeit vermehrt "aufgezeigt" hat und aus der in Zukunft noch so einiges zu erwarten ist. Vier Hektar der Braunstein'schen Rebflächen, der "älteste Blaufränkisch-Bestand mit rund 75 Jahren", sind in Kleinhöflein, dem Heimatort von Vater Braunstein. Die restlichen 16, "die mit den Burgundersorten", befinden sich an den Hängen in Purbach, wo die Familie lebt. "Die Böden dort sind ideal für finessenreiche, nicht zu opulente Weine", so Braunstein, "kalkreich, teilweise reiner Muschelkalk, und sehr karg, je höher man kommt."

Im Jahr 1998 hat Braunstein ihren ersten Pinot Noir abgefüllt und bei der Kellerarbeit in den folgenden Jahren "viel ausprobiert, Kaltmazeration zum Beispiel". Seit 2001 mache sie "so gut wie nix im Keller, dafür alles im Weingarten. Am wichtigsten ist der optimale Lesezeitpunkt. Es wird relativ kühl, langsam und mit Wildhefen vergoren, der Wein so wenig wie möglich mechanisch beansprucht. Denn so wie's wächst, soll es in die Flasche kommen." Zwanzig Hektar seien genau die richtige Menge, um die Lagen herausarbeiten zu können. Außerdem sehe sie eine Aufgabe darin, Klone für einheimische Rebsorten zu selektionieren und zu pflegen.

Rund achtzig Prozent der Produktion sind Rotweine, Blaufränkisch ist die wichtigste Sorte. Der fünfundsiebzigjährige Blaufränkisch wird übrigens unter dem Lagennamen "Kirchtal" abgefüllt. Dazu kommen St. Laurent und Zweigelt reinsortig. Das Gerüst des roten Cuvée Oxhoft bildet ein 25-prozentiger Anteil Cabernet Sauvignon, "der Rest ist Österreich traditionell". Die wichtigsten weißen Sorten sind Chardonnay und Weißburgunder. "Oxhoft weiß" ist ein reinsortiger Chardonnay, der eine längere Maischestandzeit in der Presse hinter sich hat, im Barrique vergoren wurde und dort auch ein Jahr lagert. (ls, DER STANDARD, Printausgabe vom 11./12.12.2004)

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