Strasser und seine Vorgänger

17. Dezember 2004, 21:21
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Lob und Tadel für die Innenminister

Karl "Charly" Blecha (71) war von 1983 bis 1989 Innenminister. Das "rote Urgestein" aus der Kreisky-Ära gehörte so lange zum Machtzirkel der Republik, bis die Affären Lucona und Noricum das Land in seinen Grundfesten erschütterten. Es ging um Waffengeschäfte, Freunderlwirtschaft und Machtmissbrauch. 1989 legte Blecha alle politischen Funktionen zurück, später wurde er wegen Urkundenunterdrückung bedingt verurteilt. 1999 übernahm er den Pensionistenverband der SPÖ.

Franz Löschnak (64) war zwischen 1989 und 1995 Chef in der Wiener Herrengasse. Seine Amtszeit war geprägt von Reformen der Ausländergesetze, einem neuen Verbotsgesetz, das die Möglichkeit brachte, strafrechtlich gegen Wiederbetätigung vorzugehen, und vom Beginn der Briefbombenserie. Wegen seiner Verschärfung der Fremdengesetze wurde der SP-Minister in linksliberalen Kreisen immer wieder als "Hardliner" kritisiert. Polizeiintern war er sehr beliebt.

Caspar Einem (56) übernahm zwischen 1995 und 1997 das Amt des Innenministers. Aus dem linken Spektrum der SPÖ kommend, hatte es Einem von Anfang an nicht leicht in den Reihen von Polizei und Gendarmerie. Zu seinen internen Kritikern zählte auch sein mächtigster Beamter, der damalige Sicherheitsgeneraldirektor Michael Sika. Für die politische Opposition war vor allem Einems Spendenaffäre für das linksextreme TatBlatt ein gefundenes Fressen.

Karl Schlögl (49) war von 1997 bis 2000 der bislang letzte SPÖ-Innenminister. Mit seinen Reformen, besonders im Asylbereich, kehrte auch wieder die Kritik wegen zu harter Ausländerpolitik ins Ministerium zurück. Unter seiner Ägide wurde der größte Kriminalfall der Zweiten Republik, der Briefbombenterror von Franz Fuchs, aufgeklärt. Später wurde der Fall des bei einer Abschiebung ums Leben gekommenen Nigerianers Marcus Omofuma zum politischen Stolperstein für Schlögl.

Ernst Strasser (48) zog im Februar 2000 ins Innenministerium ein. 30 Jahre nach Franz Soronics war wieder ein VP-Politiker Herr über Polizei und Gendarmerie. Von Anfang an setzte Strasser auf umfangreiche Reformen. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern zog er die immer wieder angedachte Zusammenlegung der Wachkörper auch durch. Einen Tag nach Beschließung des dafür notwendigen Gesetzes kündigte Strasser Freitag die Rückkehr in die Privatwirtschaft an. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12.12.2004)

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