Argentinien fehlen alternative Energien

8. Februar 2005, 23:18
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Regierung verlässt sich auf Gas und Öl

Buenos Aires - Das Gastgeberland der Klimafolgenkonferenz hat gerade eine schlimme Energiekrise hinter sich gebracht. Vor einem Jahr fiel in manchen Vierteln von Buenos Aires tagelang der Strom aus; Lieferverträge an Nachbarländer wurden storniert. Es handelte sich um eine Spätfolge der Finanzkrise von 2001. Die meisten Stromerzeuger und Energieverteiler wurden Anfang der 90er-Jahre privatisiert und sind im Besitz ausländischer Unternehmen.

So teilen der spanisch-argentinische Konzern Repsol YPF und die brasilianische Petrobras die Hälfte des Erzeugermarktes unter sich auf. Die Firmen machten einige Jahre dank des 1:1-Wechselkurses zwischen Peso und Dollar gute Renditen. Durch die Auflösung der Dollarbindung 2002 und die rasche Abwertung des Peso fielen die Tarife auf ein Drittel. Die Firmen schrieben rote Zahlen und machten Druck auf die Regierung.

"Soziale" Tarife

Doch die lehnte aus sozialen Erwägungen zunächst eine Anpassung der Tarife ab und qualifizierte die Stromausfälle als "Erpressung". Inzwischen haben sich beide Seiten geeinigt: Es wird sozial verträgliche Tariferhöhungen geben, die vor allem die Großverbraucher (Unternehmen) zu tragen haben. Dafür müssen die Energiefirmen kräftig in die Modernisierung der Anlagen und Ausweitung der Produktionskapazität investieren.

Die Regierung setzt dabei vor allem auf die im eigenen Land verfügbaren Gas- und Ölreserven; Wasserkraft steht erst an dritter Stelle, und alternative Energien kommen im Kalkül der Verantwortlichen wegen ihrer höheren Anlaufkosten praktisch nicht vor.

Abholzungen

Es sei an der Zeit, dass sich auch die Regierung umorientiere, fordern nun dutzende argentinische Nichtregierungsorganisationen des Netzes Buen Ayre (gute Luft). Schließlich seien an den patagonischen Gletschern die Folgen des Klimawandels deutlich nachzuvollziehen.

Doch es gebe keine politischen Maßnahmen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren oder fossile Energieträger durch erneuerbare zu ersetzen; parallel dazu würden weiter Wälder abgeholzt, kritisieren die Umweltschützer.

Statt der gängigen Hausmüllverbrennung solle ein Mischsystem von Recycling und Biomülldeponien eingeführt und die Industrie zu weniger Verpackungsmaterial angehalten werden, schlugen sie vor. So könnten die Methanemissionen deutlich verringert werden. (Sandra Weiss/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12. 12. 2004)

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