Das Klima in der Krise

17. Dezember 2004, 20:23
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Schwere Unwetter in Argentinien sind den Teilnehmern der Klimakonferenz in Buenos Aires dringliche Zeichen - Opec-Staaten und USA gefährden aber einen Erfolg

Buenos Aires - Im Norden Argentiniens sind mindestens 10.000 Menschen durch Überschwemmungen nach heftigen Regenfällen obdachlos geworden. In der Provinz Chaco stünden 600.000 Hektar bebautes Land unter Wasser, teilte die Provinzregierung am Donnerstagabend mit. Klimaexperten auf der zurzeit in der Hauptstadt Buenos Aires stattfindenden 10. UNO-Klimaschutzkonferenz warnten, dass solche Unwetter durch die Erderwärmung immer heftiger und häufiger würden.

Gouverneur Roy Nikisch räumte ein, dass das Ausmaß der Katastrophe auch eine Folge der unkontrollierten Rodungen der vergangenen Jahrzehnte sei. Damit bestätigte er indirekt die Kritiker, die der argentinischen Regierung vorwerfen, zu wenig in alternative Energien zu investieren.

Auch bei der Klimakonferenz selbst zeigt sich, dass der weltweite Handel mit Erdöl alle Anstrengungen, umweltfreundlichere Energiequellen zu nutzen, schwer behindert. Laut Angaben der Umweltschutzorganisation WWF könnte die Konferenz an der Blockadehaltung Saudi-Arabiens und anderer Opec-Staaten scheitern.

Die reichen Opec-Staaten fordern seit Jahren Kompensationen für die Umstellung auf erneuerbare Energien. Indem sie diesen höchstens für Länder wie Nigeria oder Indonesien begründbaren Anspruch mit der berechtigten Forderung armer Länder nach Anpassungshilfen beim Klimaschutz verknüpften, steuere die ganze Konferenz auf einen "Kollaps" zu, warnt der WWF.

Zudem stehen bei der Konferenz die USA unter schwerer Kritik: Unter Präsident Bill Clinton hatten sie 1997 im Kyoto-Protokoll der Verminderung ihrer Treibhausgase bis 2012 um sieben Prozent zugestimmt. Nach dem Rückzieher von George Bush werden die Emissionen im selben Zeitraum tatsächlich um etwa 32 Prozent in die Höhe geschnellt sein. Der US-Anteil an den weltweiten Emissionen liegt bei 23,5 Prozent. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11./12. 12. 2004)

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    In Buenos Aires tanzte ein als US-Präsident George W. Bush maskierter Greenpeace- Aktivist wie Gene Kelly in "Singin' in the Rain", um die Ignoranz der USA gegenüber der Klima-Konferenz darzustellen.

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