Galopp: Ein Osterhase in Hongkong

15. Dezember 2004, 19:53
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Irisch-österreichischer Wallach beim höchstdotierten Sprintrennen der Welt in der Startbox

Wien/Hongkong - Hier geht es um eine Weihnachtsgeschichte der etwas anderen Art. Zwei Österreicher, Ernst Kopica und Michael Rosenfeld, beide Pferdenarren und auf der Galopprennbahn in der Freudenau quasi zu Hause, entschlossen sich vor einigen Jahren, im, was Pferde betrifft, klimatisch bevorzugten Irland mit ihrer Stute Ostrusa zu züchten. Ein Resultat wurde 1999 Osterhase getauft und entwickelte sich seit seinem Rennbahn-Debüt im Juni 2001 kontinuierlich zum derzeit besten Sprinter Irlands.

Bei 29 Starts, die von den Besitzern entweder persönlich oder via TV mit einer wachsenden österreichischen Fantruppe verfolgt wurden, gelangen dem großen Braunen, der seine Männlichkeit schon früh hatte abgeben müssen, sieben Siege und zahlreiche Platzierungen. Heuer brach Osterhase den 25 Jahre alten Streckenrekord auf der irischen Paradebahn Curragh und belegte im wichtigsten europäischen Sprintrennen in Paris nur eineinhalb Längen hinter dem Sieger-Ross Var den vierten Platz. Was den Besitzern eine Einladung zum wertvollsten Kurzstrecken-rennen der Welt, dem mit zehn Millionen HK-Dollar (rund eine Million Euro) dotierten Hongkong Sprint über tausend Meter einbrachte.

Ein Angebot, das man nicht ausschlagen kann. Dem Sieger winken 570.000 Euro, und auch der Sechste erhält noch 20.000 Euro. Also reisten Pferd Osterhase, Trainer John Mulhern (Hauptberuf Tiefkühlwarenhändler), Jockey Frank Berry (22) und die beiden österreichischen Besitzer frohgemut nach Hongkong. Für alle ist es wahrscheinlich das größte Abenteuer ihres Lebens mit Pferden, wenn am Sonntag, um 15.20 Uhr Ortszeit, vor 100.000 Zuschauern an der Bahn und Millionen am TV die Türen der Startboxen aufspringen und die zwölf Pferde aus aller Welt in einer knappen Minute entscheiden, wer tatsächlich der Beste ist.

Für Rosenfeld und Kopica ist schon das Dabeisein ein Höhepunkt. Wenn der "Osterhase" dann zu seinen bisher eingebrachten 140.000 Euro noch zusätzlich etwas in die Börse legt, umso besser. (dol - DER STANDARD PRINTAUSGABE 11./12.12. 2004)

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