Jeannée entdeckt Jeannine

16. Februar 2005, 13:38
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Nicht gewehrt hat sich Bussi-Bussi-Lady Schiller gegen Michael Jeannée als Reisebegleiter nach Moldawien ...

Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat zur Zeit bekanntlich einige Probleme wegen eines Familienmitglieds. Er braucht sich aber keine Sorgen zu machen, diese Woche hat ihm ein anderer Großer der Zeitgeschichte einen Persilschein ausgestellt, und die Bush-Männer werden schön schauen, wenn sie Kofi Annan nicht in Ruhe lassen.

Manchmal versucht eine globale Macht ihre ganze Kraft dafür einzusetzen, eine Persönlichkeit, die ihr zu unabhängig ist, aus ihrer Position zu entfernen. Wer wüsste davon ein innigeres Lied zu singen als Cato? Das versteht er von Vater zu Vater: Gegenwärtig ist Bush dabei, den UNO-Generalsekretär vernichtend zu treffen. Bush will eine ungeklärte Affäre, in die der Sohn Annans verwickelt sein könnte, dazu benutzen.

Bisher hat der in das Bush-Trommelfeuer geratene UNO-Chef dies durchgehalten, aber Mitarbeiter aus seiner unmittelbaren Umgebung merken bereits die Erschöpfung Annans, der in der ganzen Welt gerade wegen seiner politischen Unabhängigkeit hoch angesehen ist. Das wird doch nicht eine dunkle Andeutung in eigener Sache sein! Nur das nicht! Immerhin besteht zwischen der WAZ und den USA noch ein kleiner Unterschied. Aber trotzdem - dieses Herumreiten auf der Unabhängigkeit, die doch nur einer für sich gepachtet hat, macht ein wenig Angst.

Bush möchte eine Frau als Chefin in den New Yorker Glaspalast bringen, die ihm so ergeben ist wie seine neue Außenministerin Condoleezza Rice. Also bitte, die UNO ist doch nicht irgendeine Tierecke, sogar in der "Krone" hat diese Organisation seit Staberls Abgang an Sympathien gewonnen. Also muss etwas geschehen.

Wir haben den ehemaligen UNO-Generalsekretär Waldheim gefragt, den die Amerikaner bis heute ihre Feindschaft spüren lassen. Er, der Kofi Annan gut kennt, meint, dass dieser unbedingt integer sei. Dieses Urteil eines Mannes, der auch immer nur seine Pflicht getan hat, sollte die Amerikaner nachdenklich stimmen und veranlassen, endlich auf Kofi Annan zu hören.

Andernfalls wird sie das Trommelfeuer gegen Kofi Annan teuer zu stehen kommen. Bush hat den Irak-Krieg gegen die Meinung des UNO-Chefs begonnen. Dafür werden Bush und die Amerikaner, die ihn wiedergewählt haben, noch lange zu zahlen haben. Die ihn nicht (wieder)gewählt haben, vermutlich auch. Aber man kratzt nicht ungestraft an einer Persönlichkeit, die wegen ihrer politischen Unabhängigkeit angesehen ist. Nicht einmal bei schiefem Ansehen.

Noch viel deutlicher wies die "Krone" die Amerikaner in einer ideologischen Grundsatzfrage in die Schranken. Ihr "Bild der Woche" zeigte, wie sich ein torkelnder Weihnachtsmann an sein Rentier klammert. Titel: Einen solchen Weihnachtsmann wollen wir nicht. Rasch sollte sich freilich herausstellen, dass sich die Ablehnung nicht nur auf einen solchen Weihnachtsmann bezog, sondern wesentlich tiefer ging.

Es gibt ja die allgemeine Klage, dass mit Weihnachten oft sehr unweihnachtlich umgegangen wird. Unser "Bild der Woche" bestätigt das. Mit solchen Weihnachtsmännern wollen wir eigentlich nichts zu tun haben! Da finden zum Beispiel in Schweden "Winterspiele der Weihnachtsmänner" statt. Mehr als fünfzig Teilnehmer aus allen möglichen Ländern fanden sich ein. Sie mussten nicht nur Rentiere mit Lassos einfangen, sondern auch "im Dienst nüchtern sein", so die offenbar notwendige Vorschrift.

Nun ist Doping bei allen Spielen verboten, warum nicht auch bei denen der Weihnachtsmänner? Das hat tiefe Gründe. Da ist keine Spur vom Christkind und vom heiligen Nikolaus. Wir sehen wie einer der Weihnachtsmänner mit dem Lasso gerade ein Rentier eingefangen hat und es nun dazu bringen will, mit ihm auf Weihnachtstour zu gehen, aber das Rentier wehrt sich. Was für ein brutaler Missbrauch des Weihnachtsgedankens! Ein Grund mehr, den Weihnachtsmann abzulehnen. Recht so!

Nicht gewehrt hat sich eine Dame der Gesellschaft gegen Michael Jeannée als Reisebegleiter nach Moldawien. Was der aus dem Elend behinderter Kinder in Kombination mit einer Neuentdeckung herausholt, ließe "NEWS"-Reporter vor Neid erblassen. Jeannée auf den Spuren von Jeannine im Heim der Verdammten. Die Schiller. Wiener Bussi-Bussi-Lady, Society-Tigerin, Seitenblicke-Madame, Charity-Diva. Das ist jene TV- und Klatschspalten-Seite von ihr, die man kennt. Ich aber habe eine andere Schiller entdeckt. In der Kinder-Hölle von Moldawien, wo ihr das mutige Herz blutete.

Das las sich bei Jeannée dann so: Jeannine sitzt in sich zusammengesunken auf ihrem Sitz. Sie murmelt: "Nichts ist mehr so wie früher ...ich kann nicht einmal mehr weinen ... vielleicht heute Abend ... nein, das hab ich nicht gewusst... aber jetzt bin ich froh, dass ich es weiß ... alle Menschen sollten das wissen ... die Mausi Lugner ... Friedrich, mein Mann ... der Hochleitner von Siemens ... und die anderen ... Herr Jeannée, mir blutet das Herz ..."

Es war für einen guten Zweck. Darum: Schwamm über den Rest. (DER STANDARD; Printausgabe, 11./12.12.2004)

Von Günter Traxler
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