Menschenmenge vor Mailänder Justizpalast

10. Dezember 2004, 18:18
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Spannung vor Urteilsverkündung

Rom - Eine Menschenmenge hat sich am Donnerstagnachmittag vor dem Mailänder Justizpalast versammelt - wenige Stunden vor dem erwarteten Urteil im Korruptionsprozess gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Dutzende von Journalisten, Kameraleuten und Neugierigen drängten sich vor dem Eingang des Justizpalastes. Um 18 Uhr soll der Präsident des Gerichts, Francesco Castellano, das Urteil im Prozess bekannt geben, bei dem Berlusconi wegen mutmaßlicher Richterbestechung auf der Angeklagtenbank sitzt.

Im Verfahren gegen Berlusconi geht es um den in den 80er Jahren noch staatlichen Lebensmittelkonzern SME, den der Industrielle Carlo De Benedetti 1985 von der Staatsholding IRI kaufen wollte. Während der damalige IRI-Präsident Romano Prodi (heute EU-Kommissionspräsident) schon mit De Benedetti handelseinig gewesen sein soll, hatte der damalige sozialistische Ministerpräsident Bettino Craxi angeblich seinen Freund und Verbündeten Berlusconi gebeten, mit einem höheren Gebot für den Lebensmittelkonzern SME den Verkauf zu verzögern und zu verhindern.

Berlusconi soll damals eigentlich nicht am Kauf interessiert gewesen sein, durchkreuzte aber die Pläne des Verlegers und Industriellen De Benedetti, dem heute immer noch die Zeitung "La Repubblica" gehört. De Benedetti verlor damals einen Schadenersatzprozess gegen Berlusconi. Die Ermittler meinen, dass Berlusconi und sein Ex-Rechtsanwalt Cesare Previti die Richter bestochen haben könnten, um den Prozess zu gewinnen.

"Ich bin absolut ruhig"

"Ich bin absolut ruhig. Ich glaube nicht, dass das Urteil die politische Situation ändern könnte", sagte der Premier am Freitag in Rom. Berlusconi hat in der Vergangenheit mehrfach erklärt, er wolle auch im Falle einer Verurteilung in erster Instanz nicht zurücktreten. Eher würde er auf Neuwahlen dringen. Es wäre das erste Mal in der EU, dass ein amtierender Regierungschef gerichtlich verurteilt würde. In Rom heißt es, auch ein Freispruch wegen Verjährung wäre eine Belastung für die Mitte-Rechts-Regierung. Die Verteidigung vertrat in ihrem Plädoyer die Auffassung, das Urteil könne "die Geschichte des Landes verändern und hat Einfluss auf das Ansehen Italiens". Die Staatsanwälte hatten acht Jahre Haft für Berlusconi gefordert. (APA)

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