Doppelfunktion Platters als Novum

17. Dezember 2004, 21:21
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Ein Minister für zwei Ministerien bisher nur als Übergangslösung - Viktor Klima am längsten interimistisch tätig

Wien - Die kommende Doppelfunktion von Günther Platter (V) als Innen- und Verteidigungsminister ist ein Novum in der Geschichte der Zweiten Republik. Eine derartige Kombination in einer Hand hat es bisher noch nie gegeben. Und dass ein Minister zwei laut Bundesministeriengesetz unterschiedliche Ressorts führt, war in der Vergangenheit nur als Übergangslösung gehandhabt worden. Am längsten amtierte dabei im Kabinett Vranitzky IV der ehemalige Minister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr, Viktor Klima, der drei Monate lang - vom 3. Jänner 1996 bis 12. März 1996 - das Amt des Finanzministers mitbetreute.

Sieht man von den jeweiligen Bundes- oder Vizekanzlern ab, wo vor allem letztere auch meist mit einem eigenen Ressort ausgestattet wurden, hielten sich seit 1945 die Vertretungen von Ressorts durch einen anderen Minister in Grenzen.

Lausecker

In der Ära Kreisky IV war Verkehrsminister Karl Lausecker kurzfristig vom 8. Oktober bis 5. November 1979 auch Minister für Bauten und Technik. Ebenfalls in dieser Zeit der SPÖ-Alleinregierung war Wissenschaftsministerin Hertha Firnberg in der zuvor genannten Zeitspanne auch Ministerin für Gesundheit und Umwelt.

Sinowatz

In der Zeit der rot-blauen Koalition unter Bundeskanzler Fred Sinowatz war Finanzminister Ferdinand Lacina vom 22. Februar bis 1. März 1985 kurzfristig mit dem Ressort Bauten und Technik betraut.

Lacina

Unter der schwarz-blauen Regierung mit Bundeskanzler Franz Vranitzky an der Spitze war Finanzminister Ferdinand Lacina nach dem Tod von Alfred Dallinger vom 23. Februar bis 10. März 1989 auch Sozialminister, ehe ihm hier Walter Geppert folgte. Ebenfalls unter dieser Koalition war Außenminister Alois Mock vom 6. November bis 17. Dezember 1990 mit dem Verteidigungsressort betraut.

Weiss

In der darauf folgenden Ära Vranitzky III war Föderalismusminister Jürgen Weiss (V) auch kurzfristig vom 17. November bis 29. November 1994 als Minister für Land- und Forstwirtschaft aktiv. Und schließlich war dann Viktor Klima im Kabinett Vranitzky IV mit etwas mehr als drei Monaten der längste "Übergangsminister", als er neben seiner Regierungsfunktion als Verstaatlichtenminister auch das Finanzministerium betreute. (APA)

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