OPEC will Ölhahn etwas zudrehen

13. Dezember 2004, 10:56
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Überproduktion soll angesichts wieder fallender Ölpreise zurückgefahren werden - Offizielle Quote bleibt aber konstant - Ölpreis steigt wieder

Kairo - Die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) kehrt angesichts der Entspannung am Ölmarkt zu ihren offiziellen Förderquoten zurück und wird ab Jänner auf zusätzliche Produktion verzichten.

Sondertreffen in Wien

Die Minister des Kartells einigten sich nach den Worten von OPEC-Präsident Purnomo Yusgiantoro am Freitag bei ihrem Treffen in Kairo darauf, die über die offizielle Quote hinaus geförderten rund eine Million Barrel (ein Barrel = 159 Liter) zurückzufahren. Sie vereinbarten zudem ein Sondertreffen für den 30. Jänner in Wien, um über eine Senkung der Fördermenge unter die offizielle Quote von 27 Millionen Barrel täglich zu beraten. Der Ölminister des weltgrößten Ölproduzenten Saudi-Arabien, Ali al-Naimi, sagte, die OPEC-Entscheidung werde zu einer Stabilisierung der Ölpreise beitragen. Zudem verhindere sie den überzogenen Aufbau von Lagerbeständen. Die Ölpreise zogen nach der Entscheidung an, gaben im Geschäftsverlauf aber den größten Teil ihres Zugewinns wieder ab.

"Die Vorräte steigen unverhältnismäßig stark. Dies ist eine vorbeugende Maßnahme. Sie reicht aus, um den Markt zu stabilisieren", sagte der algerische Ölminister Chakib Khelil nach dem Treffen. Seit ihren historischen Höchstständen Ende Oktober sind die Ölpreise mittlerweile um 13 Dollar je Barrel oder fast 25 Prozent gesunken. Allerdings sind sie damit noch immer um fast 30 Prozent höher als zu Jahresbeginn. Die Obergrenze der gemeinsamen Produktion hatten die Minister bei ihrem vorigen Treffen mit 27 Millionen Barrel täglich festgelegt. Wegen der starken Nachfrage vor allem aus den USA und China hatten sie aber Quotenüberschreitungen zugelassen. Die OPEC förderte deshalb so viel Öl, wie seit 25 Jahren nicht mehr. Am Freitagnachmittag kostete ein Barrel der marktführenden Sorte Brent zur Lieferung im Jänner mit 39,83 Dollar 16 Cent mehr als am Vortag. Auch leichtes US-Öl verteuerte sich um sieben Cent auf 42,60 Dollar je Barrel.

Die Drosselung der Ölförderung wird nach Einschätzung von Analysten die Ölpreise nicht längerfristig in die Höhe treiben, sofern der beginnende Winter keinen Kälteeinbruch bringt. "Sie haben offenbar genug getan, um den Markt auf dem derzeitigen Niveau zu stabilisieren. Ich glaube nicht, dass sie irgendetwas getan haben, was gefährlich für den Markt wäre", sagte Adam Sieminski von der Deutschen Bank in London.

Preisverfall befürchtet

Die OPEC fürchtet, dass sich angesichts eines Überangebotes auf dem Markt Lagerbestände aufbauen könnten, die dann zu einem Preisverfall führen könnten. "Das ist der Grund, warum wir die Entscheidung getroffen haben - um einen außerordentlichen Aufbau von Lagerbeständen zu verhindern", sagte Al-Naimi.

Vor allem der größte Ölproduzent Saudi-Arabien hatte, als Reaktion auf den enormen Preisanstieg, seine Quote in diesem Herbst deutlich überschritten. Seit August produziert Saudi-Arabien täglich 9,5 Millionen Barrel und damit 890.000 Barrel über seiner offiziellen Förderquote. Dies war von politischen Beobachtern als positive Geste gegenüber der US-Regierung gedeutet worden. Nach dem heutigen Beschluss werden aber alle Mitgliedstaaten außer Venezuela, Indonesien und Iran ihre Ölförderung leicht senken müssten.

IEA: "Ängste überzogen"

Al-Naimi rechnet mit einer Fortsetzung der Entspannung am Ölmarkt. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) sind die Ängste der Produzentenländer vor einem Preisverfall bei Öl aber überzogen. Einschränkungen bei der Produktion, die weltpolitische Unsicherheit sowie die steigende Nachfrage würden nicht über Nacht verschwinden, hieß es in dem am Freitag veröffentlichten Monatsbericht der IEA. Die Agentur berät Industrienationen in Fragen der Energiepolitik.

Über das OPEC-Preisziel für Öl wurde nach den Worten Al-Naimis am Freitag nicht gesprochen. Nach Angaben von OPEC-Delegierten könnte zudem angesichts des für Jänner anberaumten Treffens die ursprünglich für den 16. März im Iran geplante Sitzung auf April verschoben werden. (APA/Reuters/dpa)

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