Hintergrund: Erste große Koalition in Israel entstand vor dem Sechs-Tage-Krieg

13. Dezember 2004, 09:13
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Fünftes Bündnis von Likud und Arbeitspartei steht bevor

Jerusalem - In Israel steht die Bildung einer großen Koalition zwischen der rechtsgerichteten Likud-Partei und u.a. der bisher oppositionellen Arbeiterpartei bevor. Es wäre nicht das erste Mal, dass das Land von einer solchen Regierung geführt würde:

- Kurz vor Ausbruch des Sechs-Tage-Krieges zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn Ägypten, Jordanien und Syrien im Juni 1967 schlossen sich erstmals Arbeiterpartei und die damals oppositionelle Rechte zusammen. Die große Koalition zerbrach 1970, weil der Likud-Block unter Menachem Begin aus Protest gegen den Waffenstillstand mit Ägypten austrat.

- Erst 14 Jahre später gingen Arbeiterpartei und Likud erneut ein Regierungsbündnis ein, nachdem sich bei der Wahl im Juli 1984 keine der beiden Parteien durchsetzen konnte. In einem quasi einmaligen Rotationsprinzip regierte zunächst der Chef der Arbeiterpartei, Shimon Peres, das Land; nach zwei Jahren übernahm der Likud-Vorsitzende Yitzhak Shamir die Amtsgeschäfte.

- Nach der Parlamentswahl 1988, aus der der Likud erfolgreich hervorging, wurde die große Koalition neu aufgelegt. Diesmal war Shamir der Posten des Ministerpräsidenten allein vorbehalten. Der neue Chef der Arbeitspartei, Yitzhak Rabin, wurde Verteidigungsminister. Die Allianz hielt bis 1990, dann ging die Arbeiterpartei in die Opposition.

- Im März 2001 bildeten die beiden großen Parteien erneut eine gemeinsame Regierungskoalition. Das Bündnis unter Regierungschef Ariel Sharon und dem Arbeiterpartei-Chef Benjamin Ben Elieser brach jedoch im Oktober 2002 wegen des Streits um Finanzhilfen für jüdische Siedler auseinander.

- Anfang Dezember 2004 zerbrach nach einem Streit um den Haushaltsentwurf für 2005 die Koalitionsregierung mit der laizistischen Shinui-Partei. Die Likud-Partei machte daraufhin den Weg frei für eine Neuauflage der großen Koalition mit der Arbeiterpartei. (APA)

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