US-Soldat wegen Mordes an Jugendlichem verurteilt

13. Dezember 2004, 08:48
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Schwer verletzter Iraker erschossen - Drei Jahre Haft und unehrenhafte Entlassung

Bagdad - Wegen tödlicher Schüsse auf einen schwer verletzten irakischen Jugendlichen ist ein US-Soldat zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Der Unteroffizier wurde laut dem Militärgerichtsurteil vom Freitag außerdem zum einfachen Gefreiten herabgestuft und unehrenhaft aus den Streitkräften entlassen, wie die US-Truppen am Samstag in Bagdad mitteilten.

Der 30-Jährige hatte gemeinsam mit einem Kameraden einen 16-jährigen Iraker erschossen, den er am 18. August nach Kämpfen im Bagdader Stadtteil Sadr mit schweren Bauchverletzungen in einem brennenden Lastwagen entdeckt hatte. Ein Militärermittler sagte während des Verfahrens aus, die beiden Soldaten hätten dem Leiden des Jugendlichen ein Ende setzen wollen. Augenzeugen hatten berichtet, die Soldaten hätten zunächst versucht, den Iraker aus dem Fahrzeug zu retten.

Weiterer Fall

Der Angeklagte bekannte sich der Ermordung und Verschwörung zu der Tat unter Artikel 118 und 81 des US-Militärrechts schuldig. Zunächst war er unter schwereren Mordvorwürfen angeklagt gewesen. Diese hätten dem Soldaten lebenslange Haft oder die Todesstrafe einbringen können.

Ein sehr ähnlicher Fall war am Dienstag von den US-Streitkräften in Wiesbaden bekannt gegeben worden: Ein mittlerweile nach Deutschland zurück verlegter Soldat ist angeklagt, am 21. Mai bei einem Kampfeinsatz südlich von Bagdad einen Iraker erschossen zu haben, der zuvor bereits schwere Kopfverletzungen erlitten hatte. Auch in diesem Fall argumentierte die Verteidigung, der Soldat habe das Opfer von seinen Qualen erlösen wollen. Die Anhörung war in Bagdad eröffnet und im Juli in Hanau fortgesetzt worden, nachdem die 1. Panzerdivision zurück nach Deutschland verlegt worden war. Verhandlungsort und -datum stehen noch nicht fest.

Allein zwischen Beginn der US-Offensive und dem Fall Bagdads im Frühjahr 2003 gab es nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch rund 1.000 Fälle, in denen irakische Zivilisten unter fragwürdigen Umständen ums Leben kamen und in die amerikanische Soldaten verwickelt gewesen seien. Zahlen für die Zeit danach seien aufgrund der schlechten Sicherheitslage nicht erhoben worden, sagte Sprecher Mark Garlasco in New York. (APA/AP)

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