Offener Streit zwischen Fiat und General Motors

29. Dezember 2004, 10:39
posten

Italiener setzen auf Trennung von Detroiter Koloss - Laut GM ist Put Option nicht mehr gültig

Rom - Zwischen Fiat und dem amerikanischen Partner General Motors (GM) droht ein Krieg auszubrechen. Ab Jänner können die Italiener den US-Konzern zur Übernahme der Fiat-Autosparte zwingen. Die Turiner Gruppe will gegen seinen US-Partner rechtliche Schritte einleiten, falls dieser eine vor knapp fünf Jahren vereinbarte Option zum Kauf von Fiat Auto nicht einhält, berichten italienische Zeitungen. GM ist jedoch zum Kampf bereit. Die Option, die am 1. Jänner 2005 in Kraft tritt, sei ausgelaufen, da Fiat mehrere Vertragsklauseln gebrochen habe, betonte GM-Sprecher Toni Simonetti nach Angaben der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Samstag-Ausgabe).

Bisher hatte der US-Riese Fiat nur 200 Millionen Dollar angeboten, um sich von der Option zu befreien. Fiat-Geschäftsführer Sergio Marchionne lehnte jedoch das Angebot ab. Sollte es zu einem rechtlichen Streit kommen, wäre ein Gericht in New York dafür zuständig.

Hoch defizitär

GM ist seit vier Jahren an der hoch defizitären Autosparte des Turiner Fiat-Konzerns beteiligt. Beim Vertragsabschluss im März 2000 räumten die Amerikaner Fiat eine Verkaufsoption (Put) ein. Danach kann der Agnelli-Konzern sein Autogeschäft ab 25. Jänner 2005 zum Marktpreis komplett an GM verkaufen. In Detroit wird diese Vereinbarung auf Grund der schweren Absatz- und Ertragskrise des italienischen Autobauers (Fiat, Lancia, Alfa Romeo) längst zutiefst bereut. Zudem bestreitet GM inzwischen die Gültigkeit der Abmachung.

Die Top Manager von Fiat und GM planen am kommenden Dienstag ein Treffen in Zürich, bei dem über die Zukunft der Option diskutiert werden soll. Die Turiner Gruppe hat unterdessen eine für Montag geplante Verwaltungsratssitzung, bei dem die Pläne für 2005 behandelt werden sollten, auf den 23. Dezember verschoben.

"Wir haben ein schwieriges Jahr hinter uns, in dem wir die Weichen für die Zukunft gestellt haben. Wir haben 60 Prozent des Unternehmens saniert, doch 2005 könnte noch ein gefährliches Jahr sein", sagte Fiat-Präsident Luca Cordero di Montezemolo.

Am Freitag kam es erneut zu einem vierstündigen Streik der Fiat-Belegschaft. Der angeschlagene italienische Fiat-Konzern will seine Auto-Produktion zwischen 20. Dezember und 9. Jänner in ganz Italien weitgehend still legen. Wie italienische Medien berichteten, soll nur im süditalienischen Pomigliano gearbeitet werden. Dort entstehen Autos der Tochterfirma Alfa Romeo. Gewerkschafter sprachen vom längsten Produktionsstopp in der Geschichte des Unternehmens und sagten, die Maßnahme zeige, wie schwer die Krise dieses für Italien strategischen Unternehmens ist. (APA)

Share if you care.