Russland: Präventivangriffe auf weltweite Terrorziele legitim

11. Dezember 2004, 17:18
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Iwanow sieht Strategie durch UN-Resolution gedeckt

Moskau - Russland hält weltweite Präventivschläge gegen terroristische Ziele für legitim. "Wir schließen die Möglichkeit von Präventivangriffen auf terroristische Stützpunkte überall auf der Welt nicht aus", sagte der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow am Freitag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax vor russischen Militärdiplomaten. "Die einzige Grenze sind Angriffe mit Atomwaffen", fügte Iwanow hinzu.

Der Minister verwies auf die Resolution 1566 des UN-Sicherheitsrates, die jedem Land das Recht zuspricht, sich vor terroristischen Bedrohungen zu schützen. Es gebe "eine Rechtsgrundlage" für Präventivangriffe, sagte Iwanow.

"Präzedenzfälle in Afghanistan und im Irak"

"Russland ist bei weitem nicht das einzige Land, das seine Bereitschaft erklärt, Präventivangriffe gegen terroristische Ziele vorzunehmen", sagte der Verteidigungsminister. Ohne die USA namentlich zu nennen, sagte er, es habe bereits "Präzedenzfälle in Afghanistan und im Irak" gegeben. In beiden Staaten hatte Washington nach eigener Darstellung Präventivschläge gestartet, um eine Terrorbedrohung auszuräumen.

Am Montag hatte die Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf den russischen Generalstab berichtet, Russland könne Terrorziele auch im Ausland mit Marschflugkörpern angreifen, die eine Reichweite von mehr als 3000 Kilometern hätten. Welche Staaten im Visier Russlands sind, wurde nicht gesagt.

Kurz nach dem Geiseldrama in einer Schule in Nordossetien Anfang September hatte der russische Generalstabschef Juri Baujewski gesagt, Russland werde "Maßnahmen ergreifen, um terroristische Stützpunkte in jeder Region zu zerstören". Der britische Premierminister Tony Blair nannte dies "verständlich". (APA)

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