Schüssel: "Keine Denkverbote"

20. März 2005, 22:16
9 Postings

Bundeskanzler fordert Bündel von Reformen im Schulbereich - Elisabeth Gehrer genieße sein "uneingeschränktes Vertrauen"

Angesichts der wenig erfreulichen Ergebnisse der jüngsten PISA-Studie sieht Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) in einer Reihe von Gebieten Reformbedarf. In einem Gespräch mit Journalisten in Wien plädierte Schüssel Donnerstag Abend u.a. für eine verpflichtende Lehrerweiterbildung vor allem bei Junglehrern, Anreize ("Incentives") zu einer besseren Integration, die individuelle Betreuung von Problemkindern, auch von Behinderten, und eine bundesweite Kontrollbehörde. Das jetzige Monitoring-System sei überholt.

Keine Denkverbote

Bei Kindern, die nicht Deutsch können, sei eine Neupositionierung nötig, so Schüssel. In Österreich würden neun Prozent der bei PISA getesteten Schüler zu Hause nicht die Unterrichtssprache verwenden (OECD-Schnitt: 4,5 Prozent). Hier bestehe ein zusätzlicher Qualifizierungsbedarf. Diese Kinder seien sonderpädagogisch zu unterstützen. Für diese Maßnahme seien nach einem Vorschlag von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) 48 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren vorgesehen, der Einsatz dieser Mittel sei mit den Ländern besprochen. Grundsätzlich dürfe es bei der Reformdiskussion des Bildungswesens keine Denkverbote geben, so der Bundeskanzler.

Lob für Gehrer

Bei der Bewertung der PISA-Studie warnte Schüssel vor Schuldzuweisungen. Man müsse das Ergebnis ernst nehmen, gleichzeitig aber sehen, dass das österreichische Schulsystem auch viele Stärken aufweise. Elisabeth Gehrer - seit knapp zehn Jahren im Amt - genieße weiter sein "uneingeschränktes Vertrauen".

Angebot statt Verpflichtung

Im übrigen sieht Schüssel keine Notwendigkeit zur Einführung einer Gesamtschule, da es diese Form der Schule schon gebe. Auf dem Land sei dies praktisch die Hauptschule und in den Städten die AHS-Unterstufe. Auch die Ganztagsschule gebe es bereits, rund 55.000 Schüler würden eine solche besuchen. Dieser Kreis ließe sich bei Bedarf jederzeit erweitern. Es sollte jedoch niemand zwangsweise beglückt werden, sondern man müsse auch das als Angebot sehen. (apa)

  • Artikelbild
    bild: standard/cremer
Share if you care.