Preisverleihungs-Zeremonien in Stockholm und Oslo

10. Dezember 2004, 19:32
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Mit Wangari Maathai, Linda B. Buck und der abwesenden Elfriede Jelinek erstmals in der Geschichte drei Frauen ausgezeichnet

Stockholm - Die diesjährigen Wissenschafts-Nobelpreise hat der schwedische König Carl XVI. Gustaf am Freitag in Stockholm an sieben US-Forscher sowie zwei Israelis und einen Norweger überreicht.

"Rekord" selbst mir geringer Zahl

Die feierliche Zeremonie im Konzerthaus der schwedischen Hauptstadt zeigte erneut die einseitige Vergabe des berühmtesten Wissenschaftspreises der Welt nach Geschlechtern: Unter den zehn Preisträgern in den mit zehn Millionen schwedischen Kronen (1,1 Millionen Euro) je Sparte dotierten Auszeichnungen des Jahres 2004 war mit der US- Medizinpreisträgerin Linda Buck nur eine Frau. Allerdings wurden - rechnet man die nicht-wissenschaftsbezogenen Sparten mit - heuer so viele Frauen ausgezeichnet wie noch nie: Wangari Maathai erhielt den Friedensnobelpreis, die abwesende Elfriede Jelinek den Literaturnobelpreis.

Die Eröffnungsrede hielt der Generalsekretär der Nobelstiftung, Bengt Samuelsson, der Einblicke in die Geschichte und den Auswahlprozess der Nobelpreise gab und auch die historischen Gründe der prozentuellen Benachteiligung der Frauen bei den Nobelpreisen ansprach. Nur knapp mehr als vier Prozent der von 1901 bis 2003 gewürdigten Nobelpreisträger - 31 von 705 - waren Frauen, so Samuelsson. Zur heurigen "Rekordquote" meinte Samuelsson: "Vielleicht geben die heurigen Auszeichnungen einen kurzen Ausblick auf die Veränderungen, die wir in diesem Jahrhundert sehen werden."

Geteilte Preise

Buck teilte sich den Preis für die Enträtselung des Geruchssinns mit ihrem Landsmann Richard Axel. Die beiden Forscher entdeckten und identifizierten beim Menschen mehr als 1.000 Riech-Gene, insgesamt zwei bis drei Prozent des menschlichen Erbguts. Buck ist in der Geschichte der Medizin-Nobelpreise seit 1901 die siebente Frau, die diese Auszeichnung erhält.

Den Chemie-Nobelpreis teilten sich die Institutskollegen Aaron Ciechanover und Avram Hershko aus Haifa sowie der US-Amerikaner Irwin Rose für ihre Erkenntnisse zum Eiweißabbau im Körper. Damit ging erstmals ein wissenschaftlicher Nobelpreis nach Israel. Als äußerst bewegend bezeichneten die drei Wissenschafter eine Begegnung vor der Verleihung mit einem an Krebs erkrankten Schweden, der dank der wissenschaftlichen Arbeit der Preisträger am Leben ist und sogar ein normales Leben führen kann.

Physik und Wirtschaftswissenschaft

Den Physik-Nobelpreis erhielten drei US-Forscher für ihre Erklärung einer grundlegenden Naturkraft. David Gross, David Politzer und Frank Wilczek entdeckten eine besondere Eigenschaft der so genannten Starken Kraft, die zwischen den kleinsten Teilchen im Atomkern wirkt. Die Starke Kraft (Starke Wechselwirkung) zwischen den Quarks ist eine der vier fundamentalen Naturkräfte.

Den "Ehrenpreis zum Andenken an Alfred Nobel" für Wirtschaftswissenschaft teilten sich der 60-jährige Norweger Finn E. Kydland und der drei Jahre ältere Edward C. Prescott für ihre Analyse von Triebkräften der konjunkturellen Entwicklung. (APA/dpa)

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    Die Gala in Stockholm unter Anwesenheit der schwedischen Königsfamilie und der meisten Laureaten

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    Wangari Maathai hat ihren Preis bereits in Oslo erhalten

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