Jelinek verfolgt Nobelpreis-Verleihung im TV mit

12. Dezember 2004, 18:48
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Große Zeremonie in Stockholm - Überreichung des Friedensnobelpreises in Oslo

Stockholm - Mit der Schwedischen Königshymne und Mozarts Marsch in D-Dur KV 249 begann heute Nachmittag (16.30 Uhr) die feierliche Überreichung der heurigen Nobelpreise in Physik, Chemie, Medizin, Literatur und Wirtschaft im Konzerthaus in Stockholm, nachdem zuvor der Friedensnobelpreis in Oslo an Wangari Maathai verliehen worden ist. 1.600 Gäste, darunter der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet und der chinesische Wissenschaftsminister Guanhua Xu, wohnen der Zeremonie bei. Die österreichische Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek ist wie angekündigt nicht anwesend.

Der permanente Sekretär der Schwedischen Akademie, Horace Engdahl, hält als vorletzten Programmpunkt die Rede auf Jelinek, die er am Ende direkt auf Deutsch ansprechen wird - an die Kameras gerichtet. Denn Jelinek verfolge die Zeremonie von Wien aus am Fernsehgerät, hieß es bei der Generalprobe Freitagvormittag. Jelinek selbst betonte in einem Mail an die Austria Presse Agentur APA, den heutigen Tag in ihrer Münchner Wohnung zu verbringen.

Die Zeremonie(n)

In Rot- und Rosatönen ist der heurige Blumenschmuck im Konzerthaus gehalten, der wie jedes Jahr vom italienischen San Remo, dem Sterbeort Alfred Nobels, gestiftet wurde. 13.000 Blumen bieten den optischen Hintergrund der Zeremonie, bei der insgesamt zehn herausragende Wissenschafter aus vier Disziplinen (Physik, Chemie, Medizin und Wirtschaft) und nur zwei Nationen (USA und Israel) aus den Händen des Schwedischen Königs Carl XVI Gustaf die Nobel-Medaille und -Urkunde in Empfang nehmen.

Die Kenianerin Maathai wird mit dem Friedensnobelpreis in Oslo gewürdigt, Jelinek erhält ihre Urkunde am 17. Dezember in der Schwedischen Botschaft in Wien. Zusammen mit der Medizin-Preisträgerin Linda B. Buck formen die beiden übrigens das erste Damentrio in der 103-jährigen Geschichte der Auszeichnung, das im selben Jahr den Nobelpreis bekommt - so viele wie noch nie zuvor in einem Jahr.

Reden und Beiwerk

Die Urkunde, die Elfriede Jelinek am 17. Dezember in der schwedischen Botschaft in Wien in Empfang nehmen wird, wurde von der schwedischen Künstlerin Karin Mamma Andersson gestaltet. Die Medaillen werden von der Königlichen Münzerei erstellt, ihre festlichen Schatullen sind vom Atelier Anders Eriksson handgemacht.

Die Reden im Konzerthaus auf die einzelnen Ausgezeichneten halten in dieser Reihenfolge die Sprecher der jeweiligen Preis vergebenden Akademie, jeweils durch musikalisches Programm getrennt: Lars Brink auf die Physik-Preisträger David J. Gross, H. David Politzer und Frank Wilczek (mit 53 Jahren übrigens der jüngste heurige Preisträger), Lars Thelander auf die Chemiepreisträger Aaron Ciechanover, Avram Hershko und Irwin A. Rose, Sten Grillner auf Richard Axel und Linda B. Buck (Medizin), Horace Engdahl auf Elfriede Jelinek und abschließend Torsten Persson auf die Wirtschaftspreisträger Finn E. Kydland und Edward C. Prescott. Die Eröffnungsrede hält der Generalsekretär der Nobelstiftung, Bengt Samuelsson. Den Abschluss der Zeremonie bildet die Schwedische Nationalhymne.

Live-Übertragung

Diejenigen Stockholmer, die keine der streng hierarchisch vergebenen Karten fürs Konzerthaus bekommen haben, können wie die Literaturnobelpreisträgerin die Zeremonie vor den Fernsehapparaten verfolgen. Die Preiszeremonie wird auch live im World Wide Web übertragen. Am Samstag werden auf dieser Website die Dankesworte der Preisträger, die diese nach dem abendlichen Festbankett sprechen, verfügbar gemacht, ebenso die am Dienstag und Mittwoch gehaltenen Festvorträge der Ausgezeichneten. Jelineks Rede, die am Dienstagabend per Video in der Bibliothek der Schwedischen Akademie vorgeführt wurde, trägt den Titel "Im Abseits".

Seit 1901 hat es insgesamt 715 Nobelpreisträger gegeben, den 1969 von der Bank von Schweden ins Leben gerufenen Wirtschafts-Preis haben bisher 55 Wissenschafter erhalten. Die Preisträger dürfen zur Zeremonie ihre Partner und je 16 weitere Gäste einladen. (APA)

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