Krebsfrüherkennung im Spitzenfeld

27. Dezember 2004, 11:18
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Heimische RadiologInnen widersprechen US-ZweiflerInnen: Mammografie die effizienteste Methode zur Brustkrebs- Früherkennung

Chicago/Wien - Zahlreiche österreichische RadiologInnen widersprechen der beim Jahreskongress der Radiological Society of North America in Chicago von MedizintechnikerInnen aufgestellten Behauptung, wonach die Magnetresonanztomografie (MRI) der Mammografie in der Brustkrebsfrüherkennung überlegen wäre - DER STANDARD berichtete.

Neben der Praktikabilität (die wenigsten niedergelassenen Radiologen haben Platz und Geld für die großen und teuren MRI-Geräte) sprächen vor allem zwei Parameter für Mammografie - die "Sensitivität", die Wahrscheinlichkeit, einen Brustkrebs durch die Untersuchung auch tatsächlich festzustellen, und die "Spezifität", der Anteil der Frauen ohne Brustkrebs, bei denen die Untersuchung auch zu einem negativen und nicht falsch-positiven Befund führt.

Mammografie habe eine Sensitivität von bis zu 83 und eine Spezifität von rund 97 Prozent, stellt Christa Halbwachs von der Austrian Breast Imaging Study Group fest. MRI habe "mit etwa 97 Prozent zwar die höchste Sensitivität, die Spezifität der Methode ist mit etwa 83 Prozent jedoch nur moderat". Also mehr falsch-positive Befunde. Und Wolfgang Anzböck, Oberarzt am Institut für Röntgendiagnostik des Wiener SMZ-Ost führt noch einen Punkt ins Treffen: Anders als in vielen Ländern, in denen Mammografie-Aufnahmen nur in einer Ebene gemacht würden und vor dem Röntgen oft keine klinische Untersuchung stattfinde, "hat sich in Österreich die Triple-Diagnostik etabliert": Anamnese mit klinischer Untersuchung, Mammografie auf mehreren Ebenen und, falls erforderlich, Sonografie (Ultraschalluntersuchung) - "was zu einer Steigerung der Sensitivität auf bis zu 98 Prozent führt". Ein internationaler Spitzenwert.

Methoden verglichen

Bei ihrer Favorisierung der Magnetresonanztomografie bezogen sich Fachleute in Chicago unter anderem auf eine Studie von ForscherInnen um Jan Klijn vom Erasmus-Institut für Medizin in Rotterdam, deren Ergebnisse im "New England Journal of Medicine" publiziert worden waren. Darin wurden drei Verfahren zur Brustkrebsdiagnose bei rund 2000 Frauen in drei Jahren verglichen: die klinische Untersuchung, Mammografie und MRI.

Mit MRI, so die Ergebnisse, spürten die MedizinerInnen knapp 80 Prozent der Tumoren auf, während auf den Mammografien nur 33 Prozent erkennbar waren. Und bei den ärztlichen Untersuchungen wurden nur knapp 18 Prozent der Veränderungen entdeckt.

Diese Ergebnisse, so die Kritik österreichischer ExpertInnen, seien jedoch nicht repräsentativ. Denn sämtliche in dieser Studie untersuchten Frauen hätten Risikogruppen angehört - weil bei ihnen eines der Brustkrebs begünstigenden BRCA-Gene vorlag, oder weil nahe Verwandte bereits an Brustkrebs erkrankt waren.

Bei diesen Risikogruppen, das bestätigt auch eine Studie von GynäkologInnen und RadiologInnen des Wiener AKH, ist jedenfalls MRI sowohl der Mammografie als auch dem Ultraschall überlegen, ermöglicht eine frühere Diagnose von Karzinomen, damit eine höhere Überlebenschance.

Dennoch sei "Magnetresonanztomografie lediglich eine weiterführende Untersuchung der Brust", konstatiert Roland Dorffner, Leiter des Röntgeninstituts des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, und "sollte nur bei speziellen Fragestellungen" eingesetzt werden, etwa zur Unterscheidung zwischen Operationsnarben und neuerlichem Tumor. Zur Abklärung möglicher Metastasierung kann auch die Computertomografie, ebenfalls ein Röntgenverfahren, ergänzend eingesetzt werden. Zum flächendeckenden Screening jedoch sei "MRI nicht geeignet". Im Gegensatz zur Mammografie, für die "gerade in Österreich strenge Richtlinien zur Durchführung erstellt" worden seien. Womit sie "die einzige verlässliche Brustkrebsvorsorgeuntersuchung ist".

In Österreich erkranken jährlich rund 4500 Frauen an Brustkrebs, bis zu 1600 sterben daran. Bei einem Tumor kleiner als fünf Millimeter liegt die Heilungschance bei bis zu 95, kleiner als ein Zentimeter bei bis zu 80 Prozent. Durch flächendeckendes Screening zur Früherkennung kann die Brustkrebssterblichkeit gesenkt werden - entsprechende Zahlen sind jedoch sehr unterschiedlich, hängen von Studienart und -design ab und reichen von einer Senkung der Mortalität um zehn bis zu mehr als 50 Prozent.

Weniger Todesfälle

Anhand jüngster Studien errechnete das Österreichische Bundesinstitut für Gesundheitswesen im Frühjahr, dass Mammografie mit "neuwertigem Gerät" von Frauen "zwischen 50 und 69" alle "zwei Jahre" die "Sterblichkeit um etwa ein Drittel reduzieren" könnte. Dennoch: "Im österreichischen Gesundheitswesen fehlen wesentliche Grundvoraussetzungen für ein qualitätsunterstütztes Screeningprogramm (Schulung, technisch-apparative Qualitätssicherung, Brustkrebsregister etc)." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.12. 2004)

Andreas Feiertag

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Risiko: Vage Schätzungen

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Mammakarzinom
  • So sehen RadiologInnen die Brust nach der Mammografie. Kombiniert mit klinischer Untersuchung und Ultraschall sei dies die effizienteste Krebsfrüherkennungs-methode.
    foto: uni wisconsin
    So sehen RadiologInnen die Brust nach der Mammografie. Kombiniert mit klinischer Untersuchung und Ultraschall sei dies die effizienteste Krebsfrüherkennungs-
    methode.
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