Ebadi befürwortet freie Entscheidung

9. Dezember 2004, 20:17
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Iranische Friedens­nobelpreisträgerin verurteilt "Kultur des Chauvinismus", nicht den Islam

Nürnberg - Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat sich in den Streit um das Kopftuch an deutschen Schulen eingeschaltet. "Im Iran herrscht der Zwang, ein Kopftuch zu tragen. In Europa wird dies Frauen und Mädchen verboten. Warum dürfen Frauen nicht frei entscheiden, ob sie ein Kopftuch tragen wollen oder nicht?", fragte Ebadi am Donnerstag als Gastrednerin auf der europäischen Konferenz "Städte für die Menschenrechte" in Nürnberg.

Einhaltung der Menschenrechte

Ihren Auftritt in Nürnberg verstehe sie unter anderem als Signal dafür, auch in internationalen Handel auf die Einhaltung der Menschenrechte zu pochen, erklärte die 57-Jährige. "Die Bevölkerung kann Druck ausüben, damit auch bei wirtschaftlichen Verträgen die Menschenrechte nicht missachtet werden", sagte Ebadi mit Blick auf die China-Reise des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, bei der die Wirtschaft Verträge in Milliardenhöhe abgeschlossen hat.

Militärische Interventionen, um Demokratie und Menschenrechte einzuführen wie im Irak, seien immer zum Scheitern verurteilt. "Demokratie ist keine Ware, die zum Import bestimmt ist", erklärte die Trägerin des Friedensnobelpreises von 2003. Demokratie sei eine Kultur, die in einer ruhigen Atmosphäre in einem Land wachsen müsse.

Islam als Werkzeug missbraucht

Der Islam sei keine Religion, die Demokratie und Menschenrechte ausschließe, betonte Ebadi. Vielmehr sei die Religion durch die herrschende "Kultur des Chauvinismus" in islamischen Ländern oft als Werkzeug missbraucht worden. Die Reformbemühungen in ihrer Heimat Iran sieht Ebadi mit gemischten Gefühlen. "Präsident (Mohammad) Khatami war nicht erfolgreich, was sein Programm anbelangt", sagte sie. Die Fundamentalisten hätten nicht erlaubt, dass Khatami den Fortschritt der Zivilisation im Iran vorantreibe. "Das heißt aber nicht, dass die Demokratisierung im Land gestoppt ist", sagte Ebadi, die in ihrer Heimat Iran Oppositionelle verteidigt.

Müde

Die Bevölkerung des Iran sei der Kriege müde, "darum wollen sie Reformen auf friedlichen Weg erreichen". Sollten sich die USA zu einem Einmarsch in den Irak entschließen, werde sich das iranische Volk aber massiv widersetzen: "Die Bevölkerung wird nicht zulassen, dass eine ausländische Macht einmarschiert", sagte Ebadi. (APA)

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    Die iranische Friedens­nobelpreisträgerin Shirin Ebadi
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