Tirol will deutlich mehr Strom exportieren

12. Dezember 2004, 14:00
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Tiwag legt Optionenbericht mit 16 Projekten vor - Ötztal im Zentrum der Pläne

Innsbruck - "Von Saudi Arabien oder Norwegen verlangt auch niemand, nur so viel Öl zu fördern, wie es der Eigenbedarf erfordert." Mit diesen Worten hat sich Landeshauptmann Herwig van Staa (VP) für einen weiteren Ausbau der Wasserkraft in Tirol ausgesprochen. Es gehe darum "aus den vorhandenen Chancen den größten wirtschaftlichen und politischen Nutzen zu ziehen" und der Tiwag zu ermöglichen, sich als "relativ kleines Unternehmen am Markt zu behaupten".

Optionenbericht

Zuvor hatte Tiwag-Chef Bruno Wallnöfer den lange erwarteten Optionenbericht van Staa in seiner Funktion als Eigentümervertreter übergeben. Der Bericht über "mögliche Standorte künftiger Wasserkraftnutzung" enthält 16 Projekte, die einander zum Teil gegenseitig ausschließen, weil sich die Einzugsgebiete der erfassten Bäche überschneiden. Enthalten sind auch Projekte die nur der Vollständigkeit halber aufgenommen worden seien, betont Wallnöfer, aber wegen Unwirtschaftlichkeit ausscheiden. Darunter befinden sich Laufkraftwerke am Inn.

Ausbau der bestehenden Speicherkraftwerke im Kaunertal

Im Kern geht es um einen Ausbau der bestehenden Speicherkraftwerke im Kaunertal beziehungsweise Kühtai (Sellrain/Silz) und einem mehrstufigen Kraftwerk im Ötztal. Bemerkenswert ist, dass die diskutierte Maximalvariante einer Kraftwerkskette im Ötztal auf zwei Projektvarianten aufgeteilt wird. Entweder soll es demnach zu einem Großspeicher im Rofental und einer Zuleitung zum Speicher Kaunertal kommen oder im mittleren Ötztal der Speicher Sulztal mit einer Unterstufe in Aschbach kommen. Ob sich dahinter der Versuch verbirgt, den Widerstand im Ötztal aufzuspalten, ist zumindest eine Überlegung wert.

"Nach oben ist alles offen"

Angesprochen darauf, wie viele Projekte Wallnöfer realisieren möchte, meinte dieser: "Nach oben ist alles offen." Gegenüber dem STANDARD hatte Wallnöfer im August noch präziser davon gesprochen, dass die gegenwärtige Erzeugungskapazität aus Spcicherkraftwerken von 1500 Gigawattstunden innerhalb der nächsten zehn Jahre zumindest verdoppelt werden sollte. Tiwag-Aufsichtsratsvorsitzender Landeshauptmannstellvertreter. Ferdinand Eberle (VP) betonte, es könnten aus Wettbewerbsgründen nicht alle Überlegungen und Details bekannt gegeben werden.

Van Staa hat angekündigt, eine Arbeitsgruppe einzusetzen. Unter Einbeziehung betroffener Gemeinden, Grundeigentümern und Umweltverbänden soll es dann in etwa einem halben Jahr zu Aufträgen an die Tiwag kommen, welche Projekte im Detail geplant werden sollen. Ökologischen Bedenken könne "da und dort Rechnung getragen werden". (hs, DER STANDARD Printausgabe 10.12.2004)

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