Lufthansa-IT-Tochter weitet Angebot aus - Konkurrenz mit Amadeus

16. Dezember 2004, 13:08
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Künftig auch Verarbeitung von Reservierungsdaten

Lufthansa Systems, die Datenverarbeitungs-Tochter des Lufthansa-Konzerns, bereitet sich auf einen möglichen Verlust des Mutterkonzerns als bisher wichtigster Auftraggeber vor. Binnen zwei Jahren will Lufthansa Systems ein neues integriertes System auf Basis kleinerer Module bereitstellen, mit dem die Informationstechnik (IT) bei Fluglinien erheblich preiswerter und flexibler gestaltet werden könne, teilte die Lufthansa-Tochter am Donnerstag mit. Dies geschehe unabhängig davon, ob Lufthansa die neue IT-Plattform nutzen werde.

"Unsere Planung ist so, dass wir dies auch realisieren, wenn die Lufthansa tatsächlich aus unseren Systemen rausgeht", sagte Lufthansa-Systems-Chef Peter Franke. "Wir sind in dieser Hinsicht unabhängig von Lufthansa und fahren eine eigenständige Strategie." Bisher verhandelt Lufthansa zusammen mit zwei Partner-Fluglinien exklusiv mit dem spanischen Anbieter Amadeus über ein neues umfangreiches IT-System. Eine Entscheidung über den Zuschlag für Amadeus, die ursprünglich bereits im Sommer angekündigt war, steht aber weiter aus.

Angesichts des Kostendrucks in der Luftfahrt, der immer stärkeren Vernetzung vieler Fluglinien sowie neuer Vertriebswege beim Ticketverkauf (Internet, Call-Center) hat die Luftfahrt ein großes Interesse an neuen schnelleren und flexibleren IT-Systemen. Der Investitionsbedarf liegt nach Branchenschätzungen bei einer Fluggesellschaft wie Lufthansa im hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Systems-Chef Franke bezifferte das Einsparvolumen der IT-Kosten mit dem neuen System auf 20 bis 30 Prozent. Lufthansa Systems arbeite im Hinblick auf andere Anbieter an einem voll konkurrenzfähigen Produkt. "Das gilt auch für den Preis", betonte Franke. Technologie-Partner bleibt - trotz der jüngsten weltweiten Panne beim Check-In-System der Lufthansa - der US-Konzern Unisys.

Die Frage, ob Lufthansa Systems beim Mutterkonzern doch noch zum Zuge komme, könne allein Lufthansa beantworten. "Ich kann mir vorstellen, dass da noch einiges zu klären ist", sagte Franke. Lufthansa wollte sich am Donnerstag nicht zum aktuellen Stand der Gespräche über die für 2006/2007 geplante neue IT-Plattform (Common IT Platform CITP) äußern. Ähnlich zurückhaltend gab sich Amadeus. Das Unternehmen könne laufende Verhandlungen nicht kommentieren, sagte eine Sprecherin.

Lufthansa System will mit der neuen IT-Plattform erstmals auch Flugbuchungen einbeziehen. Dieser Bereich ist bisher die Domäne von Amadeus und anderer klassischer Reservierungssysteme wie Sabre oder Galileo. Lufthansa gab Anfang der 90er Jahre die Flugbuchung aus der Hand und gründete zusammen mit anderen europäischen Fluglinien Amadeus. Heute hält Lufthansa an dem Weltmarktführer nur noch gut fünf Prozent.

Die Fluggesellschaft plant die neue Technik-Plattform für 2006/2007 zunächst zusammen mit der US-Fluglinie United und Air Canada, alle drei Partner im Luftfahrtbündnis Star Alliance. Für das gesamte Bündnis hätte eine Umstellung der IT-Plattform nach Branchenschätzungen ein Auftragsvolumen von mindestens einer halben Milliarde Euro.(APA/Reuters)

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